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Die mittelenglische Romanze zwischen Imitation und Innovation

Zur Dynamik einer Diskurstradition

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Ulrike Schenk

Die Arbeit untersucht anhand der mittelenglischen Romanzen die Etablierung des Englischen als Literatursprache im Spätmittelalter. Vor dem Hintergrund kontinentaler und insularer französischer Vorlagen prägt sich eine volkssprachliche Literaturgattung aus, die exemplarisch ist für den Verschriftlichungsschub, von dem das Englische ab dem 13. Jahrhundert erfasst wird. Zwei Fallanalysen zu den Romanzen Havelok the Dane und Ywain and Gawain und ihren jeweiligen Quellen widmen sich narratologischen, kulturhistorischen und poetologisch-rhetorischen Gesichtspunkten sowie Fragen der Formelhaftigkeit. Die Detailstudien liefern vertiefte Einblicke in mittelalterliche literarische Adaptionsprozesse und arbeiten das spezifische Gattungsprofil der mittelenglischen Romanzen heraus.

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4 Resümee: Die diskurstraditionelle Positionierung der mittelenglischen Romanzen zwischen Imitation und Innovation

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315 4 Resümee: Die diskurstraditionelle Positio- nierung der mittelenglischen Romanzen zwischen Imitation und Innovation Das Ziel dieser Arbeit lag darin, vertiefte Einblicke in jenen (Neu-)Ver- schriftlichungsprozess zu gewinnen, den das Englische im 13. und vermehrt im 14. Jahrhundert erfuhr. Dabei dienten zwei intensive Einzelstudien dazu, Mo- mentaufnahmen von diesem Verschriftlichungsprozess zu gewinnen. In vier Themenkomplexen wurden narratologische, kulturelle, rhetorisch-poetologische sowie Fragen der Formelhaftigkeit untersucht. Der Fokus lag dabei auf den bei- den mittelenglischen Romanzen Havelok the Dane und Ywain and Gawain. Als unabdingbare „Vergleichsfolie“ für die diskurstraditionelle Einordnung und die Bewertung der Werke dienten die jeweiligen französischen Vorlagen. Obwohl beide untersuchten Dichtungen gemeinhin als „mittelenglische Ro- manzen“ klassifiziert werden, zeugen sie einerseits von sehr unterschiedlichen Adaptionstechniken, die nicht zuletzt auf die Verschiedenartigkeit ihrer jeweili- gen Vorlagen zurückzuführen sind. Andererseits teilen aber beide Charakteristi- ka, die als regelrecht konstitutiv für das Genre gelten können. Bei aller Ver- schiedenheit lässt sich also bei beiden mittelenglischen Werken ein gemeinsa- mes diskurstraditionelles Grundprofil erkennen.218 Zwei Hauptmotive führten zur Ausprägung dieses Profils: Erstens ist dies die konsequente Anglisierung. Sie zeigt sich in erster Linie auf inhaltlicher Ebene, beispielsweise an der Änderung von Eigennamen, der Vorliebe für realistische Details, der verstärkten religiösen Ausrichtung und der Verlagerung höfischer Werte. Zweitens zeugen die Werke von einer konsequenten „Vermündlichung“. Im Blick auf KOLLERs These, dass ein Adaptionsprozess stets auch Rückschlüsse auf die Rezeption erlaubt, lässt sich feststellen, dass beide Werke...

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