Show Less

Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

Series:

Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Erhabenheit und Freiheit inihrer dramatischen Umsetzung

Extract

75 4. Erhabenheit und Freiheit in ihrer dramatischen Umsetzung 4.1 Wallenstein „Lange habe ich nach einem poetischen Sujet gesucht, das begeisternd für mich wäre, endlich hat sich eins gefunden und zwar ein historisches.“284 Bei dem Sujet, von dem Schiller hier in einem Brief an seinen Freund Gottfried Körner spricht, handelt es sich mit Sicherheit um Wallenstein, wie die Antwort Dalbergs vom 22. März 1791 auf einen nicht überlieferten Brief Schillers belegt: „Der Todt Walsteins ist ein groses Tema, für ein Trauerspiel [...].“285 Bereits während sei- ner Arbeit an der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (1790-92) beschäftigt Schiller sich eingehend und durchaus differenziert mit dem historischen Wallen- stein und bekundet im Laufe der 90er Jahre immer wieder sein Interesse an einem Wallenstein-Drama. Schillers Auseinandersetzung mit der kantischen Philosophie, die Arbeit an seinen eigenen ästhetischen Abhandlungen und eine schwere Er- krankung verhindern jedoch eine konkrete Befassung mit dem neuen Dramen- stoff.286 Erst im Anschluss an ein Gespräch mit Goethe entscheidet sich Schiller für die Aufnahme des Wallenstein-Projekts (und gegen die Maltheser). Im No- vember 1797 beschließt Schiller – nachdem er sich mit der Aristotelischen Poetik auseinandergesetzt hat – die Umformung der Prosa-Fassung in ein Versdrama mit antiker Dramenform.287 Durch die Arbeit am Wallenstein distanziert sich Schiller von seinem Frühwerk und der Betonung der Bedeutung des idealistischen Charakters. Im Sinne der Aristotelischen Poetik soll nun der Schwerpunkt auf der Handlung liegen288: „Daß er [Aristoteles, D.K.], der der Tragödie das Hauptgewicht in...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.