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Die Wege der Freiheit bei Friedrich Schiller und Jean-Paul Sartre

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Daniela Kemna

Als Zeitzeugen epochaler Ereignisse widmen sich Schiller und Sartre in ihren ästhetischen Schriften der Frage nach der Möglichkeit menschlicher Freiheit im Angesicht der gewaltigen Macht historischer Ereignisse und machen sie zum zentralen Thema ihrer Dramen. Diese Arbeit vergleicht ihre Freiheitskonzepte und untersucht, inwiefern Schiller und Sartre ihre ästhetischen Theorien dramatisch umsetzen und welchen Einfluss die Revolutionen ihrer Zeit auf ihre Dramen nehmen. Während Schiller den Idealismus in einer Krise wähnt und seine moralische Freiheit zu einer existentialistischen wird, mündet Sartres Forderung nach einem politisch engagierten Individuum in unmenschliche Radikalität. Sein Existentialismus wird ungewollt zum Idealismus.

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5. Die historische Erfahrung im DramaSchillers und Sartres

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251 5. Die historische Erfahrung im Drama Schillers und Sartres 5.1 Schiller und die Französische Revolution1452 Bis Ende der 1780er Jahre war Schillers Geschichtsbild geprägt von dem positi- ven Gedanken an eine harmonische Ordnung innerhalb der Universalgeschichte und dem Menschen als integriertem Teil dieses Systems. Schillers Glaube und Hoffnung, politische Veränderung und eine Verbesserung der allgemeinen Le- bensumstände mit Hilfe eines gewaltlosen Prozesses, nämlich durch die Erzie- hung von Fürst und Volk und „behutsame Reformen im Sinne von Aufklärung und Emanzipation“1453 erreichen zu können, wurden jedoch durch die Ereignisse während der Französischen Revolution, über die er sich als Leser der Gazette nationale ou le Moniteur universel umfassend informierte, stark erschüttert. Als Anhänger der Girondisten unterstützte er die in der Schrift Sur l’éducation na- tional (1790) festgehaltenen Forderungen (für eine konstitutionelle Monarchie, ein kirchenunabhängiges Schulsystem, die Stärkung der Rechte des Individuums, gegen die Enteignung der Kirche und die Abschaffung des Adels) des Comte de Mirabeau, musste jedoch „aus der Ferne“ miterleben, wie in Frankreich das ge- naue Gegenteil praktiziert wurde. Im Zuge der Septembermorde 1792 wurden fast zweitausend Menschen in Paris getötet, darunter viele Priester, deren „Vergehen“ darin bestand, den Eid auf den neuen Staat verweigert zu haben. Auch in den Provinzen kam es zu unzähligen Gewalttaten. „Die Furcht ging um, und die Panik rief viele Exzesse hervor.“1454 Die massenhafte Ermordung der politischen Gegner durch die Jakobiner empfand Schiller als...

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