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Theorie und Praxis des Chors in der Moderne

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Jae Min Lee

Die neueren Zeiten kennen den Chor kaum mehr als Bestandteil der Festkultur, deswegen ist seine Umsetzung im Theater ein großes Problem. Für Regisseure und Schauspieler wie auch für die Zuschauer war der Chor der fremdartigste Teil. Allerdings haben seit der deutschen Klassik Theatermacher dem Chor intensive Aufmerksamkeit geschenkt. Der Chor ist dabei nicht nur ein dramaturgisches Mittel, um eine Distanz zwischen Bühne und Zuschauer zu wahren, sondern auch ein wichtiges Mittel zur Herstellung einer neuen Theater- und Zuschauerkunst. Der Rekurs auf das antike Vorbild zielt somit nicht auf die Wiederbelebung dieses Vorbilds um seiner selbst willen, sondern auf die Eröffnung neuer Möglichkeiten für das moderne Theater im Ringen um ein neues Theaterkonzept. Unter diesem Gesichtspunkt analysiert die vorliegende Studie die höchst differenzierten Chorkonzepte der Moderne.

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3. Wiederentdeckung des antiken Theaters und des Chors

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Man findet in der Geschichte des Theaters ständige Rückgriffe auf das antike Theater: Wann immer das Theater reformiert wurde, wann immer neue drama- turgische Formen erprobt wurden, geschah dies, von der italienischen Renais- sance über die Weimarer Klassik bis hin zu Richard Wagner, im Namen der ein- zig „wahren“ Tragödie und unter Berufung auf die hehren Anfänge der Gattung. Mit dem wiederholten Rezeptionsakt wird aber immer ein bestimmtes – aus der jeweiligen Sicht „authentisches“ – Antike-Bild übermittelt, das als Selbstre- flexion der jeweiligen Rezipientenkultur funktionierte. Das heißt zuerst, dass das Objekt „Antike“ nicht feststeht, sondern in den Medien der Rezeption stets neu hervorgebracht und dabei verändert wird. Dabei folgt man den eigenen, zeit- und kulturtypischen Regeln und Antrieben. Zweitens erkannte man im Selbstbezug auf antike Vorgaben die Möglichkeit der eigenen Standortbestimmung und Arti- kulation ihrer Selbstbehauptung. Die Vorstellungen des antiken Theaters dienten dabei als Vorbild, nach denen das eigene Theater modelliert und gedeutet wurde. Der Rekurs auf das antike Vorbild zielt demnach nicht auf die Wiederbelebung dieses Vorbilds um seiner selbst willen, sondern auf die Eröffnung neuer Mög- lichkeiten für das moderne Theater im Ringen um ein neues Theaterkonzept. Wolfgang Schadewaldt schreibt dazu: Es gibt kein „Bewahren“, kein „Wiederholen“ des einst Gewesenen im Sinne eines möglichst richtigen Bewahrens. Was wir für „richtig“ halten, ist selber stets dem geschichtlichen Wandel unserer Auffassungen unterworfen. Es gibt, mit einem treffenden Wort des alten Goethe, nur ein Neuschaffen aus den „erweiterten Elementen des Vergangenen...

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