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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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7 Eschatologie und Teufel

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Der große Themenkomplex der 'Letzten Dinge' wird von Hartmann nur selektiv behandelt. Dies könnte daran liegen, dass das Credo als sein Referenztext diesen Gegenstand kaum thematisiert. Andererseits ergänzt Hartmann den Text seines Glaubensbekenntnisses um eschatologische Komponenten. Die Erklärung dafür, ein Thema auszusparen, das sich im Mittelalter nachweislich größter Beliebtheit erfreute, liefert der Autor nach: Er verweist darauf, dass er schon eine längere eschatologische Abhandlung verfasst habe (iz ist alliz gescriben [...] / in dutiscer scrifte [...] / so wirz mit unsen sinnen / aller best mohten vinden [V. 1634-1640]), weswegen er sich im Rahmen der Rede kürzer fassen könne (nu newolle wir nu­ wit langer / an dirre rede hangen / wande wir hie vore haben geredet […] alse wir von den wisen han vernomen, / wi iz dan alliz sal comen / zo deme grozem urteile / der werelt algemeine [V. 1625-1632]).503 Trotz seines Verweises auf sein früheres Werk verzichtet Hartmann nicht darauf, eschatologische Stoffe mitzu­ behandeln. Umso aussagekräftiger ist seine Themenwahl, die christologisch bzw. anthropologisch oder heilsgeschichlich motiviert ist. 7.1 Die Höllenfahrt Christi Eher beiläufig erwähnt Hartmann die Ereignisse, die sich zwischen Kreuzigung und Auferstehung Christi abgespielt haben sollen. Seine Darstellung der Höllen­ fahrt Christi (Descensus) und sein Bericht von der Befreiung der Gerechten aus der Hölle sind durch das Nicaeno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis nicht gedeckt. Dieses spricht lediglich von der Auferstehung Christi am dritten Tage; Hartmann orientiert sich an dieser traditionellen Zeitangabe und lässt...

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