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Streifzüge durch die Welt der Sprachen und Kulturen

Festschrift für Dieter Huber zum 65. Geburtstag-

Series:

Melanie Arnold, Silvia Hansen-Schirra and Michael Poerner

Der Band versammelt Beiträge aus den Bereichen der Sprachwissenschaft, der Kulturwissenschaft und der Translationswissenschaft. Freunde, Kollegen und Schüler gratulieren dem Jubilar, der den Lehrstuhl für Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz innehatte, zu seinem 65. Geburtstag. Die Sammlung zeichnet sich durch die große Bandbreite an behandelten Themen aus, die sich auch in der Lehr- und Forschungstätigkeit des Jubilars widerspiegelt.

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Peter Kupfer: Vom schweren Stand des „Morphems“ in der chinesischen Grammatik – ein typologischer Versuch

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45 Peter Kupfer Vom schweren Stand des „Morphems“ in der chinesischen Grammatik – ein typologischer Versuch 1 Braucht die chinesische Sprachwissenschaft kein „Wort“ und kein „Mor- phem“? Erst mit den Anfängen der modernen Sprachwissenschaft begann man sich in China unter westlichem Einfluss und zumeist mit bildungspolitischer und sprachdidaktischer Orientierung für ein wissenschaftlich fundiertes Konzept zur Beschreibung der chinesischen Sprache zu interessieren. Als Beginn der Gram- matikbeschreibung und erste systematische Grammatik des Chinesischen gilt „Meister Mas Grammatik“ (Ma shi wen tong 泻㺞㠖抩) von 1898/99, die der sowohl traditionell chinesisch als auch westlich gebildete Gelehrte Ma Jianzhong (泻ㆉ㉯) verfasste. Obgleich seiner Systematik gemäß dem Zeitgeist zum Ende des Kaiserreiches noch die am klassischen Chinesisch orientierte Schriftsprache, das so genannte wenyan (㠖岏), und nicht die gesprochene Sprache zugrunde lag, entwickelt dieses Werk erstmals ein konsequentes Begriffsinventar für sprachliche Einheiten und grammatische Regeln und gilt bis heute als Prototyp der späteren Generationen von Grammatiken in China. Mas Pionierarbeit wurde im Verlauf der sprachwissenschaftlichen Diskurse der vergangenen Jahrzehnte allerdings nicht immer nur als solche gewürdigt, son- dern von Traditionalisten insbesondere in Zeiten der nationalen Abgrenzung auch mehr oder weniger als bloße Nachahmung westlicher Grammatikbeschrei- bung bzw. als einseitiger Versuch kritisiert, die Kategorien indoeuropäischer Sprachen blind auf das Chinesische zu übertragen, ohne dessen eigene Charakte- ristika zu berücksichtigen. Interessanterweise trat diese Kritik immer in solchen politischen Perioden in den Vordergrund, in denen in China um einen unabhän- gigen Entwicklungsweg bei gleichzeitiger Suche nach der eigenen Identität und den historischen Wurzeln...

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