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Topographien der Begegnung

Untersuchungen zur jüngeren deutschen und polnischen Prosa der "Grenzräume</I> nach 1989

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Izabela Drozdowska-Broering

Die meisten der deutsch geprägten Nord- und Westregionen des heutigen Polens galten in der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte der beiden Nationen als ein Raum, in dem verschiedene Werte, Traditionen und kulturelle Errungenschaften aufeinandertrafen und einander durchdrangen. Nach 1989 rückten diese Regionen erneut in den Fokus der Literatur. Inwieweit führt aber die literarische Aufschlüsselung der Kulturlandschaften zu einer Begegnung mit dem Anderen? In welchem Maße entspricht sie dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Identifikation? Die Monographie bietet ein kritisches Panorama der dominanten Diskurse und Tendenzen innerhalb der deutschen und polnischen Prosa der Grenzräume. Die Darstellung wird durch eine Reihe von exklusiven Interviews mit Autoren abgerundet.

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1 Methodologische und theoretische Grundlagen

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1.1 Grenzland, Grenzraum, pogranicze, kresy – die Begriffe und ihre Anwendung Die Begriffe pogranicze (Grenzland) und kresy (die gelegentlich als „polnische Ostmarken“ übersetzt werden62) haben im polnischen Sprachraum verschiedene Konnotationen und Anwendungsbereiche. Da sie gelegentlich als Synonyme verwendet werden, scheint es an dieser Stelle angebracht, sie noch einmal mög- lichst präzise zu bestimmen und auf Entsprechungen bzw. Differenzen hinzu- weisen. Beide Bezeichnungen beziehen sich auf Grenzregionen, auf ein gewisses „Ende“, das durch eine Grenze markiert wird. Wie jedoch Krzysztof Kwaśniewski in seinem Vergleich der polnischen kresy mit den deutschen Ost- marken feststellt, sind kresy immer ein Grenzland (pogranicze), während nicht jedes Grenzgebiet als kresy bezeichnet werden kann.63 In der polnischen Nomenklatur werden mit dem Wort kresy (manchmal auch groß geschrieben) die polnischen Gebiete östlich des Flusses Bug bezeichnet, die das Land schon teilweise 1939, endgültig aber nach dem Zweiten Weltkrieg, mit den Beschlüssen von Jalta, verloren hat. Zu dem Begriff kresy, der sich erst in der II. Republik Polen etablierte, gibt es zahlreiche Kontroversen, da sich die Bezeichnung nicht mit geografischen Grenzen fassen lässt.64 Weiterhin ist frag- 62 Auf die Unübersetzbarkeit dieses Begriffes machen u. a. Hubert Orłowski sowie Brigitte Schultze und Tadeusz Namowicz aufmerksam. Roman Dziergwa weist auf die französi- sche Entsprechung des Begriffes hin. Vgl. dazu: Dziergwa, Roman: „Voyages, visites et confrontations littéraires avec les confins orientaux de la Pologne de l'Entre-deux-guerres chez les auteurs allemands.”, in: Bechtel, Delphine; Galmiche, Xavier: Le voyage dans les confins. Paris 2003,...

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