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Scharfsinn und Frömmigkeit

Zum Werk von Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694)

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Edited By Gesa Dane

Der Band versammelt Beiträge, die das Œuvre von Catharina Regina von Greiffenberg im Kontext von Scharfsinn und Frömmigkeit gleichermaßen deuten – eine Verbindung, von der gemeinhin angenommen wird, dass es sie bei Autorinnen im 17. Jahrhundert nicht hat geben können. Greiffenbergs Werk ist zu entnehmen, wie sie ihre Legitimation als schreibende Frau nicht aus dem Bildungskanon, sondern aus einer religiösen Erfahrung heraus begründet. Eine genaue Lektüre aber zeigt, in welchem Maße sie ihrem sozialen Stand entsprechend über Bildung verfügte.

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Einleitung

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Catharina Regina von Greiffenberg (1633–1694) war eine poeta docta. Sie wurde im Jahre 1633 in Seisenegg in Niederösterreich in eine protestanti- sche Familie geboren, die dort, im Spannungsfeld zwischen Reformation und Gegenreformation, in der Diaspora lebte. Sie wuchs unter vergleich- baren Bedingungen auf, wie sie die Breslauer Dichter Daniel Casper von Lohenstein und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau nach 1650 kannten, die einen eigenen Balanceakt zwischen ihrer protestantischen Heimatstadt und dem katholischen Wien vollführen mußten. Greiffenberg schrieb insofern unter anderen Voraussetzungen als die Breslauer, als sie ihre Bildung jenseits der Institutionen Schule und Universität erhalten hatte, die für Lohenstein und Hoffmannswaldau so prägend waren. Auf Veranlassung ihres Vormundes, Onkels und späteren Ehemanns Hans Rudolf von Greiffenberg wurde sie standesgemäß privat unterrichtet: Ne- ben modernen Sprachen wie Französisch, Spanisch und Italienisch lernte sie Latein, die lingua franca der Wissenschaften. Ihre Lateinkenntnisse waren die Voraussetzung dafür, dass sie sich durch eigene Lektüre im Selbststudium breite Kenntnisse in Rechts- und Staatswissenschaften und in den Naturwissenschaften, besonders in Astronomie, Philosophie und Theologie aneignen konnte. Georg Albrecht Hagendorn unterstrich in seiner Leichpredigt auf Catharina Regina von Greiffenberg ihre umfassen- de Bildung, ihr Wille zu Gelehrsamkeit und ihr Wissen sei von ihrer tiefen Frömmigkeit begleitet worden. Sie habe, so führt er aus, das Neue Testa- ment in acht Sprachen lesen können, da sie des Hebräischen, Chaldä- ischen, Syrischen und Griechischen mächtig gewesen wäre. „Wie Sie dann in Hebräischer...

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