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Handbuch der Reformpädagogik in Deutschland (1890–1933)

Teil 1: Gesellschaftliche Kontexte, Leitideen und Diskurse- Teil 2: Praxisfelder und pädagogische Handlungssituationen

Edited By Wolfgang Keim and Ulrich Schwerdt

Als Gegenstand bildungshistorischer Forschung ist der Begriff Reformpädagogik umstritten. Während jüngere Darstellungen ihn vom historischen Hintergrund abgelöst und als einen Komplex pädagogischer Motive gekennzeichnet haben, die vom 18. Jahrhundert bis heute in immer neuer Weise aufgegriffen und ausformuliert wurden, bemüht sich das Handbuch der Reformpädagogik in Deutschland (1890–1933) ausdrücklich um eine differenzierte historische Kontextualisierung. Die deutsche Reformpädagogik wird als kritische Reaktion auf den gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich zu einem ersten Abschluss gekommenen Aufbau eines Systems pädagogischer Institutionen und Praktiken begriffen. Reformpädagogische Initiativen bündelten sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten; sie entwickelten und erprobten eine Vielzahl produktiver Ideen, Konzepte und Modelle und bestimmten den pädagogischen Diskurs bis 1933 wesentlich mit. Auf der Grundlage zahlreicher lokalgeschichtlicher, biographischer und problemgeschichtlicher Untersuchungen, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind, unternimmt diese zweiteilige Publikation den Versuch, das derzeitige Wissen zu zentralen Aspekten der historischen Reformpädagogik zusammenzufassen und in neuartiger Weise zu systematisieren. Gegenüber oberflächlichen Vereinheitlichungen wird die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der historischen Reformpädagogik und zugleich die Notwendigkeit einer kritischen Vergegenwärtigung betont.

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D Reformpädagogik in pädagogischenHandlungssituationen

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D Reformpädagogik in pädagogischen Handlungssituationen Unterricht Ulrich Schwerdt 1. Einleitung 2. Reformpädagogische Unterrichtskonzeptionen als Gegenentwürfe zur Praxis der Regelschule vor dem Ersten Weltkrieg 3. Unterricht in reformpädagogischen Versuchsschulen der Weimarer Republik 4. Reformpädagogische Unterrichtsvorstellungen auf dem Weg in die Regelschule – das Beispiel Arbeitsunterricht 5. Abbruch, Weiterführung und Rezeption nach 1933 6. Auswahlbibliographie 1. Einleitung Forderungen nach einer Reform des öffentlich verantworteten und organisierten Lehrens und Lernens begleiten den Schulunterricht seit seinen Anfängen.1 Dabei ist die Bedeutung der histori- schen Reformpädagogik – verstanden als histori- sche Epoche zwischen 1890 und 1933 – für den Diskurs über Zielvorstellungen und Leitbilder schulischen Unterrichts in der deutschsprachigen historischen Bildungsforschung weitgehend un- umstritten. Die Bewertung dieses Einflusses al- lerdings geht weit auseinander: Kritiker beklagen, dass reformpädagogische Theoreme Unterricht einseitig „vom Kinde aus“ begreifen und damit weder der Komplexität der seit der Aufklärung entfalteten didaktischen Reflexion noch den Be- dingungen institutionalisierter Instruktion in der 1 Vgl. als grundlegende Überblicksdarstellungen und Quellensammlungen: S. Protz/D. Zöllner, Eine kurze Geschichte des Unterrichts. Problemgeschichtliche Studien, Leipzig 2011; U. Müllges, Quellen zur his- torischen Didaktik und Methodik, hg. v. J. J. Justin, Mannheim 1986; F. Baumgart u.a. (Hg.), Theorien des Unterrichts. Erfahrungen – Texte – Arbeitsaufga- ben, Bad Heilbrunn 2005; E. Kiel/K. Zierer (Hg.), Geschichte der Unterrichtsgestaltung, Baltmannswei- ler 2011. Aus der älteren Literatur vor allem die au- ßerordentlich umfassende Darstellung von F. Paul- sen, Geschichte des gelehrten Unterrichts aus den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters...

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