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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.

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2 Krisenhaftigkeit und Herausforderung – Kontextuierung der Entstehung frühneuzeitlicher Himmelskartographie

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37 2 Krisenhaftigkeit und Herausforderung – Kontextuierung der Entstehung frühneuzeitlicher Himmelskartographie Im Jahre 1610 findet sich in Johannes Keplers Auseinandersetzung mit den gerade erst veröffentlichten, revolutionären Erkenntnissen seines Kollegen Galileis zur Gestalt des Mondes, der Planeten sowie der Milchstraße der folgende enthusiasti- sche Aufruf: „Schafft nur Fahrzeuge oder Segel, die der Himmelsluft angepasst sind, dann kommen schon Leute, die sich nicht einmal vor jener weiten Öde fürchten werden. Inzwischen wollen wir, sozusagen kurz vor der Ankunft dieser kühnen Himmelsfahrer, Himmels- Länderkarten ausarbeiten, ich für den Mond, Du, Galilei, für den Jupiter!“ 61 Diese Passage deutet exemplarisch auf viele der Elemente frühneuzeitlicher Wissenskultur, die für das hier vorgestellte Thema von größter Bedeutung sind. Im Blick auf eine neue Erscheinungsfülle der erfahrbaren Welt verbindet sich das Moment der Beobachtung mit dem Versuch, diese in ihrer Neuheit und Ambivalenz zu organisieren und zu fixieren. Im Hinblick auf die kartographi- sche Erfassung des Himmelsraums gehen so vom 16. bis zum beginnenden 18.  Jahrhundert fortschreitende wissenschaftliche Präzisierung und gestei- gerte Inszenierung Hand in Hand. Die von Kepler hier geforderten Himmels- Länderkarten stünden in einem fiktiven Schnittpunkt zwischen Imagination und Rationalität, Poesie und Mathematik, zwischen grenzenlosem Schweifen im Einbildungsraum und berechenbarer Fixierung von Systemraum in Skizze, Formel und Begriff. Die realen Werke frühneuzeitlicher Himmelskartographie finden sich genau an den genannten Schnittstellen wieder. Sie offenbaren in der Vermessung und Kartographierung eines erneut unbekannt gewordenen Himmels eine generelle Fragwürdigkeit überkommener...

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