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Wikipedia: Palimpseste der Gegenwart

Text- und Wissensverfahren im kollaborativen Hypertext

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Nathalie Mederake

Der technische und lexikografische Aufbau von Wikipedia, der zentralen Online-Enzyklopädie unserer Zeit, ermöglicht einen komplexen Interaktionsraum. Doch welche Prozesse und Routinen kommen dort zum Einsatz? Die Autorin analysiert und beschreibt medienlinguistische sowie lexikografische und wissenssystematische Erscheinungen. Die Form digitaler Überschreibung präsentiert sich dabei als neues Phänomen der Wissensbearbeitung und -kommunikation. Systematische Beobachtungen und deren Überprüfung an ausgewählten Artikeln schaffen zudem erstmals die Möglichkeit eines umfassenden Instrumentariums für die Textlinguistik. Die Studie liefert überdies wichtige theoretische und methodische Anregungen für weitere Forschungen zu digitalmedialen Kommunikationsgegenständen.

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Einleitung: Thema und zentrale Aspekte

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Im Jahr 2005, als der Bekanntheitsgrad Wikipedias bereits sehr hoch war und man sich der öffentlichen und wissenschaftlichen Relevanz der Wikipedia- Thematik immer bewusster wurde, veröffentlichte das international angesehene Wissenschaftsmagazin Nature eine Studie, die sich um einen Qualitätsvergleich der Encyclopaedia Britannica mit Wikipedia bemühte. Die Autoren, die über die durchgeführte Blindstudie berichteten, kamen zu dem Ergebnis, dass die Wikipe- dia-Artikel ein ähnliches Niveau besaßen wie die eher traditionellen Artikel der Encyclopaedia Britannica, sich aber in den Strukturen unterschieden. In Bezug auf die Qualitätsbeurteilung wurde auf relevante Experten verschiedener wis- senschaftlicher Bereiche verwiesen (vgl. Giles 2005: 900). Dass diese Studie die Komplexität der Wikipedia-Artikel nur verkürzt darstellte, blieb weitestgehend unkommentiert. So wurde nicht erwähnt, dass Artikel der Wikipedia innerhalb weniger Wochen oder Monate mehrere hundert Versionen oder Artikelfassun- gen durchlaufen können, diese also im Gegensatz zu denen einer klassischen Enzyklopädie grundsätzlich in einem ganz anderen Grad fluktuieren und zu je- dem Zeitpunkt, an dem sie beobachtet werden, unfertige Erzeugnisse darstellen. Geschuldet ist dieses Artikelwesen der medialen Umgebung, in der und aufgrund der es existiert. Diese Umgebung ermöglicht es nicht nur, Ergebnis- se schneller zu aktualisieren, sondern auch, vielfältigsten Informationsinter- essen Ausdruck zu verleihen. Wissenssammlungen wie Wikipedia, die sich als Online-Enzyklopädie präsentieren, haben einen medialen Wechsel durchlaufen (wie wiederum die Studie von Pscheida (2010) gezeigt hat). Das veränderte En- zyklopädie-Format wird dabei, wie im Rahmen der Nature-Studie geschehen, wohl wahrgenommen, aber in seinem Ausma...

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