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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.
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Boccaccios Welt – Dynamik inmitten allgemeiner Langsamkeit

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Schriftsteller sind Kinder ihrer Zeit und ihrer unmittelbaren Umgebung. So hat auch das wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld, in dem Boccaccio groß geworden ist und sich bewegte, den angehenden Literaten nicht unberührt gelassen, hat ihn bis zu einem gewissen Grad geformt, zumal er in Florenz, in der wirtschaftlich dynamischsten Region des damaligen Europas lebte und zwar als Sohn eines Kaufmanns, des dynamischsten und innovationsgierigsten Berufs der damaligen Zeit. Der Dynamik, Innovationsbesessenheit und der Beschleunigungslust des näheren und weiteren Umfeldes von Boccaccio gelten die folgenden Betrachtungen.

Wenn der Historiker von Dynamik spricht, dann meint er Beschleunigung und Fortschritt. Er hält Ausschau nach jenen Kräften, die für diese Beschleunigung des Wirtschaftens sowie der Lebens- und Arbeitswelten verantwortlich sind. Dieser Ansatz eröffnet in erster Linie für die Zeit seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine Fülle an Erkenntnissen, als die Industrialisierung eine Vielzahl an Beschleunigungskräften freisetzte und die moderne Welt auf Beschleunigung umprogrammierte. Ihre Antriebskräfte oder auch Agenten waren und sind bis heute die Technik, die den Personen-, Güter-, Nachrichten- und Waffentransport beschleunigte, ebenso die Produktion mit Hilfe von Produktionsmaschinen, Katalysatoren und Rechenmaschinen. Zweitens erfolgte die Beschleunigung durch Organisation, d. h. durch Arbeitsteilung und eine ausgeklügelte Betriebsorganisation, und drittens durch Psychologie, d. h. durch Platzierung von Beschleunigungsimperativen in der Lebens- und Arbeitswelt oder im Verkehrssektor. Seit dem 19. Jahrhundert entfalten diese Beschleunigungsagenten ihre Wirksamkeit in einem kulturellen Umfeld, das immer mehr in Richtung einer Kultur der Beschleunigung tendierte. Bezeichnend...

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