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Das Kuckuckskind und seine drei Eltern

Eine kritische Würdigung der bestehenden Rechtslage mit Vorschlägen für interessengerechte Regelungen unter rechtsvergleichenden Aspekten aus dem EMRK-Raum

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Kerstin Aust

Kerstin Aust belegt mit einem Vergleich der Regelungen in den 47 EMRK-Staaten, dass die Rechtsfragen, die sich in einer Familie mit Kuckuckskind stellen, trotz der anhaltenden Flut von Akten der deutschen Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zufriedenstellend gelöst sind. Auf die Frage, ob nur die biologische Abstammung oder nur die soziale Wirklichkeit Rechtswirkungen hervorrufen soll, gibt es ihrer Ansicht nach keine einzig gültige Antwort. Vielmehr kommt es auf den Einzelfall und auf das Wohl des Kuckuckskindes an. Die Autorin fordert daher flexible Regelungen: Das Gesetz sollte bei einem Kuckuckskind keine «entweder-oder»-Frage stellen, sondern eine «sowohl-als-auch»-Lösung bieten, welche die Möglichkeit des rechtlichen Nebeneinanders zweier Väter und einer Mutter beinhaltet.
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2 Die väterliche Abstammung eines Kuckuckskindes

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In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts vor Christus ließ Homer den Telemachos auf die Suche nach seinem Vater Odysseus gehen, doch Telemachos hatte Zweifel:

„Meine Mutter die sagt es, er sei mein Vater; ich selber Weiß es nicht: denn von selbst weiß niemand, wer ihn gezeuget.“160

Pater semper incertus est – dies galt zumindest bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts nach Christus.161 Mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden ist es denkbar einfach, Gewissheit über die Abstammung einer Person von einer anderen zu erlangen. Vor diesem Umstand scheinen der deutsche Gesetzgeber und die deutsche Rechtsprechung allerdings zu Weilen die Augen zu verschließen. Dies führt in Kuckuckskind-Konstellationen zu unbefriedigenden Ergebnissen.

2.1 Überblick

Abstammung bedeutet die biologische Herkunft des Abkömmlings aus der Reihe seiner Vorfahren.162 So einfach wie dies in tatsächlicher (d.h. biologischer) Hinsicht klingt, ist es unter rechtlichen Gesichtspunkten nicht.

Bis zum Inkrafttreten des NEhelG 1969 am 01.07.1970 etwa galten ein damals noch sog. uneheliches Kind und dessen Vater gemäß § 1589 Abs. 2 BGB a.F. überhaupt ← 27 | 28 → nicht als verwandt163, d.h. das uneheliche Kind stammte rechtlich betrachtet nicht von seinem leiblichen Vater ab.164

Aktuell regeln die §§ 1591 ff BGB die rechtliche Abstammung eines Kindes und zielen darauf ab, ein Kind vom Zeitpunkt der Geburt an einem Elternpaar eindeutig zuzuordnen.

Die rechtliche Mutterschaft ist durch § 1591 BGB von vorneherein und auf Dauer auf die Frau festgelegt, die das Kind geboren hat:...

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