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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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1.2 Zur widersprüchlichen Rezeption Hugo von Hofmannsthals in der tschechischen Literatur um 1900

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1.2  Zur widersprüchlichen Rezeption Hugo von Hofmannsthals in der tschechischen Literatur um 1900

Die bis heute nur unzureichend erforschte Aufnahme der Wiener Moderne durch die tschechische Literatur der Jahrhundertwende steht im Spannungsfeld zwischen der von tschechischen Literaten vollzogenen, nicht zuletzt auch politisch bedingten Hinwendung vor allem zu französischen literarischen Vorbildern1 auf der einen und der geographischen Nähe zu Wien auf der anderen Seite. Wandte man der Kultur der Hauptstadt der Donaumonarchie, die in der tschechischen Literatur in der Regel mit dem Makel des moralisch bedenklichen, die tschechischen Zuwanderer zur Assimilation zwingenden Molochs behaftet war,2 auch seinen Rücken zu, so konnte man gegenüber dem reichen kulturellen Leben in Wien dennoch nicht völlig gleichgültig bleiben. Im Sinne dieser widersprüchlichen Haltung lassen sich auch die drei Belege zur Rezeption Hugo von Hofmannsthals3 sehen, die im Folgenden näher betrachtet werden sollen. Diese Belege sind sämtlich durch ein Moment des Negierenden und durch eine Strategie gekennzeichnet, die implizite Anerkennung, die mit der Erwähnung des österreichischen Autors ja automatisch verbunden ist, gleichzeitig zu relativieren. Die Erwähnung Hofmannsthals darf also aus tschechischem Blickwinkel ← 39 | 40 → heraus nicht als Bekenntnis erscheinen, sondern geschieht unter den Vorzeichen von Distanzierung und Negierung, die in jeweils verschiedener Weise artikuliert werden. Den drei Rezeptionsbelegen kommt dabei insofern noch besondere Bedeutung zu, als sie von Karel Toman, Josef Svatopluk Machar und František Xaver Šalda und damit von drei wichtigen Repräsentanten der Moderne...

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