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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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2.3 Ivan Franko als Mitarbeiter der „Zeit“

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2.3  Ivan Franko als Mitarbeiter der „Zeit“

Die kulturellen Orientierungspunkte, die von den ukrainischen Autoren in Galizien um das Jahr 1900 herum gleichermaßen als befruchtend und als Verbindung zum gesamteuropäischen kulturellen Kontinuum wie auch als beengend und bevormundend gesehen wurden, waren weniger die russische, sondern eher die polnische und die deutschsprachige Kultur – diese wurden auch in den ukrainischen Schulen Galiziens als anzustrebendes Vorbild vermittelt, wodurch automatisch Prozesse kultureller Hierarchisierung in Gang gesetzt wurden, die für die (eigene) ukrainische Kultur und Literatur lediglich die Position des Subalternen vorgesehen hatten. Für die ukrainischen Autoren Galiziens mussten derartige Hierarchisierungsprozesse nicht zuletzt schon deshalb besonders intensiv wahrnehmbar gewesen sein, als die Bewegung zwischen mehreren Sprachen und Kulturen, konkret zwischen der ukrainischen, polnischen und deutschsprachigen, für diese Schriftsteller keinesfalls eine Ausnahme, sondern weit eher die Regel gewesen ist. Das polnische Krakau und Wien als Hauptstadt der Donaumonarchie sowie die an diese beiden Städte geknüpften kulturellen Institutionen wie Zeitschriften, Bibliotheken, Opernhäuser, Theater und Museen, aber auch im Zeichen der Moderne stehende Erneuerungsbewegungen in Kunst und Literatur waren für erstrangige ukrainische Autoren aus Galizien wie etwa Vasyl’ Stefanyk oder Bohdan Lepkyj von besonderer, auch biographisch verbürgter Bedeutung.

In ganz besonders signifikantem Ausmaß gilt diese Multipolarität kultureller Orientierungsmuster für Ivan Franko, dem wohl wichtigsten ukrainischen Autor aus Galizien – über seine Biographie (etwa über sein Studium der Slawistik in Wien), mehr aber noch durch seine Mitarbeit an zahlreichen polnischen...

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