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Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

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Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
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2.4 Hugo von Hofmannsthals galizische Implikationen

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2.4  Hugo von Hofmannsthals galizische Implikationen

Die folgenden Überlegungen sollen der Frage nachgehen, auf welche Weise sich Hugo von Hofmannsthal in seinem Werk mit dem kulturellen Raum Galiziens auseinandergesetzt bzw. welche Funktion Galizien bei Hofmannsthals spezifischer Konzeptionalisierung Österreichs gespielt hat. Diese Konzeptualisierung Österreichs lässt sich vor allem in jenen Essays und Vorträgen ablesen, die der österreichische Schriftsteller im Zusammenhang des Ersten Weltkriegs verfasst bzw. gehalten hat und in denen Hofmannsthal versucht, seine Vorstellung von Umfang und Inhalt der Begriffe „Österreich“ bzw. „österreichisch“ einem breiteren Publikum zu vermitteln. Gerade die durch die nationalen Antagonismen innerhalb der Monarchie verursachten Emanzipationstendenzen der einzelnen Ethnien innerhalb des österreichisch-ungarischen Staatsverbandes sowie dessen drohendes Auseinanderbrechen im Zuge der Kriegshandlungen veranlassten Hofmannsthal, die gemeinsamen Grundlagen des Staates zu reflektieren, wobei der offizielle, um nicht zu sagen offiziöse und bisweilen in den Bereich des Propagandistischen reichende Charakter dieser Texte zu Hofmannsthals darin ebenfalls abzulesenden persönlichen Überzeugungen in Kontrast steht. Rhetorische Strategien, die Österreich zu einer nicht weiter hinterfragbaren historischen Schicksalsgemeinschaft der in ihm zusammengefassten Ethnien in den Bereich des Mythologischen entrücken, finden sich in diesen Texten ebenso wie ernstzunehmende Bemühungen um ein tieferes Verständnis der im Staatsverband integrierten Kulturen, wie etwa der tschechischen. Interessant gerade im Hinblick auf Galizien ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Hofmannsthal Österreich in diesen Jahren nicht als stabil gesetzte Wesenheit interpretiert, sondern den Begriff mit einem Zug des Veränderlichen und Dynamischen versieht.1 Ermöglicht es diese Dynamisierung einerseits,...

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