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Die Kriegsrechtfertigung in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr.

Vom Korinthischen Krieg bis zur Schlacht bei Chaironeia (395–338 v. Chr.)

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Thomas Bounas

Das Spektrum des Argumentierens über die Begründung und Rechtfertigung des Krieges in der attischen Rhetorik des 4. Jh. v. Chr. gestaltete sich breiter und komplexer als bisher angenommen. Der Autor analysiert einschlägige historische Reden und publizistische Ausarbeitungen, die unmittelbar Bezug auf Einstellungen und Mehrheitsmeinungen der damaligen Zeit genommen haben. Neben dem formalen Recht stehen auch ethische Aspekte sowie die Frage nach dem materiellen und machtpolitischen Nutzen im Mittelpunkt. Durch eine vergleichende Analyse von Texten des Andokides, Lysias, Isokrates und Demosthenes wird eine systematisierende Bilanz zur konzeptionellen Klassifizierung der Kriegsrechtfertigungen gezogen.
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III. Lysias

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III. Lysias

1. Lysias und seine zu untersuchenden Reden

Aus der Zeit des Korinthischen Krieges sind außer der andokideischen Friedensrede zwei epideiktische Reden unter dem Namen des berühmten zeitgenössischen Rhetors und Logographen Lysias überliefert: der Epitaphios auf die Gefallenen einer Schlacht im Korinthischen Krieg und die Festrede Olympiakos.

Lysias (ca. Anfang der 450er Jahre – nach 380)1 wurde in Athen als Sohn des begüterten Metöken2 Kephalos aus Syrakus geboren. Nach dem Tod seines Vaters wanderte er nach Thurioi3 aus, wo er seine rhetorische Ausbildung wohl bei Teisias4 genoss. Als die mit Athen verbundenen Bürger nach der katastrophalen Niederlage der Athener in Sizilien5 einen schweren Stand hatten, kehrte er zurück und betätigte sich zunächst als Rhetoriklehrer und später als Logograph. Wegen seiner demokratischen Gesinnung wurde unter den Dreißig Tyrannen der größte Teil des Besitzes seiner Familie6 konfisziert und sein Bruder Polemarchos hingerichtet. Lysias entkam nach Megara und unterstützte von dort aus mit den wenigen Geretteten die demokratische Restitutionsbewegung großzügig. Als Belohnung dafür beantragte der demokratische Politiker Thrasybulos7 nach der Rückkehr der Demokraten in die Stadt für Lysias sowie für andere Metöken im September 403 das Bürgerrecht. Die ursprüngliche Entscheidung für die Verleihung des Bürgerrechts ← 67 | 68 → wurde infolge eines Paranomie-Einspruchs (παρανόμων γραφή)8 des athenischen Bürgers Archinos annulliert.9 Lysias blieb Metöke, aber als ἰσοτελής,10 was seine Gleichstellung...

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