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Wissenschaft und globales Denken

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Edited By Franz Gmainer-Pranzl and Angela Schottenhammer

Ökonomische Dynamiken, politische Transformationen, internationale Vernetzung sowie die Kommunikation durch neue Medien sind Indikatoren einer «Globalisierung», die heute viele Bereiche des Lebens erfasst. Doch bedeutet eine solche Expansion und Internationalisierung wirtschaftlicher Prozesse, technischer Entwicklungen und politischer Ordnungen, dass «globales Denken» als (selbst)kritischer Diskurs zum Tragen kommt? In kritischem Kontrast zu Globalisierungsstrategien fragen die Beiträge dieses Bandes danach, inwiefern der Bezug auf globale Zusammenhänge die gewohnten Zugänge und Methoden der Wissenschaft herausfordert und verändert. Nicht «Globalisierung» als Erfolgsstrategie, sondern «globales Denken» als kritischer Anspruch steht im Zentrum der Überlegungen dieses Tagungsbandes.
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INGOs in Haiti: Entwicklungsakteure als Promotoren von Alternativen zur Entwicklung?

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Haiti

Die „Perle der Karibik“, das stolze Land mit der einzigen erfolgreichen Sklavenrevolution der Geschichte, die erste unabhängige schwarze Republik. Für gewöhnlich sind dies nicht die Assoziationen, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn man an Haiti denkt. Ganz im Gegenteil, Haiti ist als „Republik der NGOs“ bekannt, als Land mit der zweithöchsten Anzahl an ausländischen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) weltweit.1

Auch vor dem verheerenden Erdbeben im Jänner 2010, war Haiti trotz, oder wie einige behaupten, gerade wegen, jahrzehntelanger internationaler Intervention und Entwicklungsarbeit, bekannt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Die frühere internationale Unterstützung der Diktatoren führte zu Hungersnöten, Menschenrechtsverletzungen und Kleptokratie. Haiti gilt gemeinhin als (ein) gescheiterter Staat mit schwachen staatlichen Strukturen und einer hohen Anfälligkeit für Umweltkatastrophen.

Obwohl NGOs, einst als Wundermittel gepriesen, von vielen Seiten kritisiert werden, bleiben sie wichtige Akteure in der Entwicklungslandschaft Haitis. Allerdings hat sich auch fünf Jahre nach der Katastrophe die Situation in Haiti nicht grundlegend verändert. Das offensichtliche Versagen verschiedener Entwicklungsansätze hat, auch in der allgemeinen Debatte, zu einer von der Post-Development Theorie formulierten Fundamentalkritik der „Entwicklung“ geführt.

Post-Development Befürworter fordern das Hinterfragen herrschender Diskurse, bestehender Repräsentationen und des Macht/Wissen-Nexus‘ und argumentieren, dass Entwicklung nur durch lokale, d. h. südliche, Bewegungen und Organisationen selbst erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang werden Strategien der Alternativen Entwicklung und deren partizipative Ansätze, der Forderung nach...

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