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Der andere Islam

Kultur, Identität und Demokratie Aus dem Französischen übersetzt und eingeleitet von Hans Jörg Sandkühler

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Fethi Meskini

Das Buch, einem modernen Islam verpflichtet, ist von aktueller Brisanz: Gegen die voreilige Identifizierung von Islam, Islamismus und Terrorismus ist Aufklärung über die islamisch-arabischen religiösen und politischen Kulturen notwendig. Der Autor fragt nach der Universalisierbarkeit bzw. Universalität von Normen und Werten, nach der Autonomie eines von Unterdrückung befreiten muslimischen «Selbst» und nach einer post-islamischen Identität. Er fordert Freiheit im Glauben und eine im Rahmen einer Ethik der Sorge, guten Nachbarschaft und Hospitalität artikulierte Toleranz. Sein Ziel ist eine von allgemeinem Gerechtigkeitswillen bestimmte Demokratie, in der Konflikte zwischen Gläubigen und Laizisten durch die Befähigung zum Sich-Übersetzen in der Perspektive des Anderen gelöst werden können.
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Zur Identität der Revolution

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Von der Identität der Revolution zu sprechen ist kein philosophischer Unsinn, sondern bezeichnet ein Problem, das zum Nachdenken aufruft. Wenn man nach der ›Identität‹ irgendeiner Person fragt, heißt das, dass man diese Person nicht kennt. Und obwohl man über angemessene und umfassende Ausdrucksmittel verfügt, um nach ihr zu fragen – d. h. die Frage nach dem ›Wer?‹, und nicht die nach dem ›Was oder was für eine Sache es ist‹ –, kann man doch keine Antwort im Voraus geben; man bleibt weiterhin jenseits der Möglichkeit, sie aus ihrer Innensicht zu kennen. Darum geht man oft nur unzureichend auf die Person ein und belässt es dabei, dass man sie nicht in der Komplexität aller ihrer Seiten verstehen kann, ohne dass dies zu größeren Verständnisverlusten führen müsste.

Wenn man es nun aber mit einem ganzen Volk zu tun hat und nicht nur mit einer einzelnen Person, empfindet man, dass die Frage nach dem ›Wer?‹ ihre Angemessenheit der Situation gegenüber verliert und einer Ignoranz gegenüber dem Anderen gleichkommt. Wir2 wurden Zeuge eines großen Ereignisses und alle, die es erlebten, sind sich einig, dass es nicht unerwartet und beispiellos geschah.

Waren die jüngsten Revolutionen in Tunesien und Ägypten wirklich so unerwartete Ereignisse, dass wir über keine geeigneten und ausreichenden Mittel verfügen, sie erfassen und verstehen zu können? Man misst den Grad der Überraschung entsprechend dem Grad der Unwissenheit, der uns an einem...

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