Show Less
Restricted access

Das Unantastbare beschreiben

Gerüche und ihre Versprachlichung im Deutschen und Polnischen

Series:

Przemysław Staniewski

Das Buch erörtert die Verbalisierungsschwierigkeiten von olfaktorischen Wahrnehmungen. Hierfür betrachtet der Autor zunächst die Olfaktorik aus kulturell-philosophischer, neurophysiologischer und anthropolinguistischer Perspektive. Des Weiteren legt er dar, wie man über Gerüche im Deutschen und Polnischen spricht. Er geht auf zweierlei Art und Weise vor. Zunächst erfolgen anhand von Wörterbüchern Analyse und Vergleich des deutschen und polnischen Geruchswortschatzes auf der synchronen und diachronen Ebene. Anschließend zeigt der Autor mithilfe von sprachlichen Korpora und unter Anwendung der kognitiv-linguistischen Methodologie (Frame-Semantik, konzeptuelle Metapher) auf, wie heute Gerüche im Deutschen und Polnischen verbalisiert und konzeptualisiert werden.
Show Summary Details
Restricted access

4. Sprache und Olfaktorik – neurophysiologische Einschränkung oder kulturbedingte Vernachlässigung?

Extract

24

Die bereits in den vorangegangenen Kapiteln skizzenhaft dargestellten kulturellen und neuroanatomischen Erkenntnisse bezüglich der Olfaktorik geben einen groben Überblick über die Betrachtung und den Rang des Geruchssinns in der westlichen Gesellschaft (Kap. 2) sowie die Neurobiologie der olfaktorischen Verarbeitung (Kap. 3). Relevant ist dies für die weiteren Ausführungen insofern, als dass, angesichts des allmählich zunehmenden Interesses der Linguisten an den Sinnen und insbesondere an der olfaktorischen Sinnesmodalität, sich die Frage nach der Verbalisierung der Geruchswahrnehmungen stellt. In diesem Zusammenhang werden die Kultur, die Neurobiologie des Geruchs, aber auch die Neurobiologie der Sprache in Abhängigkeit des wissenschaftlichen Standpunkts als Faktoren angesehen, die eine mehr oder minder differenzierte Versprachlichung des olfaktorisch Wahrgenommenen erlauben bzw. diese in einem größeren oder kleineren Ausmaß beschränken.

Auf der sprachlichen Ebene wird oft der Geruchssinn dem Sehen gegenübergestellt und mit ihm verglichen. Im linguistischen Forschungsbereich gelten hierzu besonders die Farben als Vergleichsgebiet. Aus dieser Art von Methodologie resultiert die Feststellung, dass für die olfaktorische Sinnesmodalität ein objektives und konventionelles Lexikon fehlt (siehe aber Kap. 4.3 und 5.3.1), was zur Annahme veranlasst, dass die Olfaktorik nicht adäquat mit der Sprache kooperiert (vgl. P. Holz 2005: 83). Obwohl unterschiedliche als primär begriffene Geruchswörter in allen zurzeit erforschten Sprachen herausgestellt werden konnten (vgl. R. Herz 2008: 58), wie z.B. für das Englische stench, stink, redolent, aromatic, fragrant (vgl. R. Herz ibidem), das Deutsche der Duft, (Wohl-)Geruch, das Aroma, stinken,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.