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HimmelsKartenWissen

Frühneuzeitliche Kartierungen des Himmels im Kontext einer theatralen Wissenskultur

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Juliane Howitz

Auf innovative Weise untersucht die Autorin die Kartographie als spezifische historische Inszenierungspraxis vor dem Hintergrund der Welt als Bühne im 16. und 17. Jahrhundert. Wen oder was inszenieren frühneuzeitliche Himmelskarten? Wie präsentieren sie den neuen astronomischen Himmel? Himmelskartographischen Werken der Frühen Neuzeit fällt als Theatri eine besondere Rolle bei der Sammlung und Darstellung von Wissen zu. Im Zusammentreffen von Wissenschaftsgeschichte, Kartographiegeschichte und Theaterwissenschaften offenbart sich ein Paradox im Goldenen Zeitalter der Himmelskartographie: Wachsende astronomische Wissensbestände führen zu sinkender kartographischer Darstellbarkeit. So liegt der besondere Reiz der Karten in der theatralen Vermittlungsleistung zwischen diesen Polen.
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3.4 Resümee

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Johann Doppelmayrs Atlas (Novus) Coelestis (1742)

Varianten noch umfassenderer Verschränkungen von Karten und Tabellen innerhalb einer himmelskartographischen Publikation lassen sich in Johann Doppelmayrs Atlas Colestis entdecken. Neben dem dem Werk vorangestellten, umfangreichen „Index Tabularum“1031 zeigt der deutsche Astronom vor allem Tabellen, welche direkt in die Kartenblätter integriert sind. Zuerst zeigt sich diese innovative Darstellungsform in der 13. der insgesamt 30 Karten („THEORIA ECLIPSIUM“.1032 In dieser fügt Doppelmayr am linken Seitenrand eine Tabelle ein, welche Beobachtungsdaten des Merkur in verschiedenen europäischen Städten zwischen den Jahren 1631 und 1736 präsentiert. Im darauffolgenden Blatt sind tabellarische Formen als Teil einer Systemkarte zu sehen: Karte 14 („THEORIA SATELLITUM IOVIS ET SATURNI“) zeigt die Umlaufbahnen von Jupiter und Saturn und deren Monden und umfasst vier als Papierrollen gestaltete Tabellen, in welchen Umlaufzeiten der Monde und deren Maximalabstände zu den entsprechenden Planeten nach den Daten von Jacques Cassini verzeichnet sind.1033 Diese Tabellen werden innerhalb der Begrenzung der kartographischen Darstellung gezeigt, d. h. innerhalb einer runden Kreisform, welche mit Gradnetzangaben als planisphärenähnliche Grundform der Karte wirkt. Somit wirken sie nicht als Ergänzung oder Beigabe, sondern sind darstellerischer ← 339 | 340 → Bestandteil der Karte selbst. Durch die gewählte Form der Darstellung als Manuskriptrollen erscheinen die Tabellen zudem in Andeutung einer dreidimensionalen räumlichen Tiefe, welcher der Systemkarte als kartographische Form durch ihren Bezug auf eine imaginäre zweidimensionale Fixsternsphäre selbst fehlt. Die Tabellen wirken somit sowohl inhaltlich als auch gestalterisch als zusätzliches...

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