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Hexenversammlung und Walpurgisnacht in der deutschen Dichtung

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Alexander Rost

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, ist nach volkstümlicher Vorstellung das einschlägige Datum für die Zusammenkunft von Geistern und Hexen. Während der Hexenverfolgungen galt die Teilnahme am vermeintlichen Hexenkonvent als wichtiges Indiz für das Crimen magiae, das Zaubereiverbrechen. Doch darüber hinaus wurde die Walpurgisnacht mit der Zeit ein verbreitetes kulturelles Thema. Literarisch bekannt geworden ist sie vor allem durch Goethes Faust-Dichtung. Die Studie erschließt in der deutschsprachigen Dichtung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart die Stoff- und Motivgeschichte der Walpurgisnacht und der sich zumeist in dieser Nacht ereignenden Geister- und Hexenversammlung.
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Teil 6 Gegen den Nationalsozialismus

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I. Vororientierung

Die Verwendung der Bezeichnung ‚Walpurgisnacht‘ im Zusammenhang mit dem in Europa seit den zwanziger Jahren etablierten faschistischen politischen Systemen, insbesondere aber mit dem Nationalsozialismus im Deutschen Reich wird in aller Regel mit dem Wiener Karl Kraus (1874–1936) assoziiert. Entsprechend wird auf sein bereits 1933 niedergeschriebenes, doch eigentlich erst 1952 postum veröffentlichtes Essay „Dritte Walpurgisnacht“ in Kapitel II. eingegangen.

Ein weiterer Autor, der unter Voraussetzung der allgemeinen Kenntnis von Goethes „Faust I“ eine Walpurgisnacht als Mittel einer kritisch–satirischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wählte, ist der ursprünglich aus der (heutigen) Westukraine stammende Exilliterat Dosio Koffler (1892–1955). Sein Beitrag zur Walpurgisnacht-Motivik wird in Kapitel III. behandelt. Der insgesamt nur wenig bekannte Koffler zählte zwar zeitweilig zum Bekanntenkreis von Kraus, dennoch ist davon auszugehen, dass Kofflers Bühnenstück „Die deutsche Walpurgisnacht“ (1941) ohne eine substantielle Anleihe bei Kraus’ Essay entstand; dafür sprechen allein schon die sehr speziellen Erscheinungssituationen beider Texte.

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