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Literatur im sozialen Prozess des langen 19. Jahrhunderts

Zur Ideengeschichte und zur Sozialgeschichte der Literatur

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Udo Köster

Schriftsteller beanspruchen im Prozess der Modernisierung eine wichtige Rolle als Verfasser von Dorfromanen, als nationale Propagandisten in den Befreiungskriegen, als Mitspieler in der Literatur der französischen Moderne (Heinrich Heine), als Träger des deutschen Nationalbewusstseins und als Begründer einer nationalen Staatlichkeit nach 1870. Der Band versammelt Arbeiten zur Sozialgeschichte der Literatur, unter anderem über Strategien der Bauernaufklärung, über kulturelle Stereotypen in den deutsch-französischen Kulturbeziehungen, über Gender-Mythen und Mystifikationen im Vormärz, über den «französischen» Heine sowie über David Friedrich Strauß und die Rezeption der Religionsphilosophie Hegels; ferner geht es um Geschichtsbilder und die Mentalität der Gebildeten im Kaiserreich sowie um theoretische Fragen der Modernisierung und der literarischen Moderne um 1900.
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7. Marktorientierung und Wertkonservatismus bei Autoren der 1830er Jahre

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Für die Zeit ab 1820 ist am literarischen Markt ein spektakulärer Aufschwung zu beobachten. Dazu waren technische Veränderungen des Drucks und Veränderungen des Vertriebs von grundlegender Bedeutung. Sie trafen auf eine Zeit des sozialen Umbruchs, in der zum bisherigen Lesepublikum neue Leserschichten mit anderen Bildungsvoraussetzungen und anderen Lektüremotivationen hinzutraten. Von den schreibenden Mitspielern am literarischen Markt, Autoren wie Literaturkritikern, wurden sie erst allmählich bemerkt. Sehr rasch bemerkt wurde jedoch, dass sich mit der Literaturproduktion Geld verdienen ließ und dass sich für einen Verleger gute Gewinnchancen boten, wenn er das neue Leseinteresse bediente. Ein spekulatives Element kam damit in die Produktion von Literatur, wobei als Spekulation Versuche angesehen wurden, durch gezielte Herstellung von marktgängigen Literaturprodukten den Absatz von Büchern zu steigern.

Auf dem expandierenden Markt entstanden damit zugleich neue Möglichkeiten, als literarischer Autor allein von der Literaturproduktion zu leben. Diese Möglichkeiten wurden vor allem von jüngeren Autoren genutzt, die es verstanden, sich auf die veränderten Gegebenheiten des Marktes einzustellen. Überraschend ist nun, dass Autoren, die diese neuen Möglichkeiten des literarischen Gelderwerbs erkannten und zielstrebig nutzten (und die auch versuchten, alle Register der spekulativen Produktion und der Reklame zu ziehen), ein solches Verhalten scharf kritisieren. Von Hauffs Memoiren des Satan über Menzels Deutsche Literatur bis zu den frühsozialistischen Sklaven der Intelligenz von Ernst Dronke wird das Thema der spekulativen Literaturproduktion nicht nur kenntnisreich dargestellt und erfolgreich praktiziert, sondern vor allem auch entschieden kritisiert. Mit der...

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