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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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VI) Katyń – das historische Ereignis und seine wissenschaftliche Aufarbeitung

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Wofür steht der Name Katyń? Diese Frage muss zunächst erläutert werden, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich in diesem Dickicht aus Ereignis und Polit-Krimi, polnischem Symbol und Identitätskonflikten zurecht finden zu können.222 Dieses Kapitel will erklären, welches historische Geschehen sich hinter dem Namen Katyń verbirgt und welche internationalen Verwicklungen es nach sich zog. Als erstes soll eine Chronologie des Kriegsverbrechens Katyń aufgezeichnet werden und als zweiter Punkt das internationale Beschweigen Katyńs und die diplomatische Geschichte Katyńs von 1940 bis zum Ende des Kalten Krieges dargestellt werden. Anhand dieses Punktes lässt sich dann auch skizzieren, inwiefern das Katyń-Massaker die polnisch-sowjetischen/polnisch-russischen Beziehungen belastete und ein unbeschwertes bilaterales Verhältnis bis ins 21. Jahrhundert erschwerte. In einem weiteren Punkt soll darauf eingegangen werden, wie das Ereignis aufgearbeitet wurde und schließlich in einem letzten Punkt erklärt werden, welchen symbolischen Wert es darstellt.

VI.1) Die Chronologie des Verbrechens

Der Name Katyń steht stellvertretend für einen Komplex sowjetischer Kriegsverbrechen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, in dem polnische kriegsgefangene Offiziere zum Tode verurteilt und in drei großen Massakern an den drei Orten Katyn, Charków und Miednoje und in verschiedenen weißrussischen und ukrainischen Gefängnissen und an unbekannten Orten in einer zeitgleich angelegten Aktion hingerichtet und verscharrt wurden.223

← 77 | 78 → Die Hinrichtungen der polnischen Offiziere und Reserveoffiziere wurden geheim gehalten, gleichzeitig geplant im Rahmen der Geheimen Zusatzprotokolle des Hitler-Stalin-Paktes nach den Angriffen...

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