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Das Massaker erinnern

Katyń als lieu de mémoire der polnischen Erinnerungskultur

Cordula Kalmbach

Im Fokus dieser Studie stehen zwei Schritte: Erstens soll das Ereignis Katyń in der polnischen Erinnerungskultur verortet und sein Stellenwert für die polnische Gesellschaft erfasst werden, zweitens soll dargestellt werden, welche Auswirkungen diese Aufarbeitung auf die polnisch-russischen Beziehungen seit 1989 hat. Klar ist, dass sich die Republik Polen seit ihrer Wiederentstehung 1989 auf der Suche nach einer neuen Identität befindet und sich im Archiv der Geschichte bedient, um ein neues Gedächtnis konstruieren zu können. Da Erinnerungskultur ein soziales, aktives Phänomen ist, stützt sich diese Arbeit auf mannigfaltige Quellen, seien es Filme, Bücher, Denkmäler oder Zeitungsartikel.
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XI) Die Akteursgruppen der Erinnerungskultur um Katyń

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In den folgenden drei Kapiteln sollen beteiligte Akteure vorgestellt werden, die sich für Katyń als polnischen Gedächtnisort einsetzen und bemüht sind, einen Übergang vom kommunikativen Gedächtnis der kommunistischen Ära bis 1989 in ein kulturelles Gedächtnis nach 1989 herzustellen und Katyń als Gedächtnisort zu verankern. Hilfreich ist hierbei der Wegfall der Zensur ab 1989 und der Wille, als Dritte Republik eine neue Identität zu finden, die versucht, die kommunistische Ära und das kommunistische Unrecht des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit aufzuarbeiten. Dies geschah aktiv nach dem Wandel in der ersten Transformationsphase, flaute in der Zeit der späten 1990er und frühen 2000er Jahre wieder etwas ab, bevor die Bestrebungen unter der PiS-Regierung neuen Aufwind bekamen.

Die hier vorgestellten Akteursgruppen beziehen sich auf die Angehörigenverbände, die eine große Rolle einnehmen, politische Vertreter und verschiedene Institutionen, die teils in Kooperation mit den Angehörigen oder durch staatlichen Auftrag an das Massaker erinnern, sowie versuchen, es als Gedächtnisort im Selbstverständnis Polens zu etablieren und zu verankern.

Stefan Garsztecki beschreibt die Erinnerungskultur in Polen als ein von oben und unten durchmischte, die offenen öffentlichen Diskussionen unterliegt und also nicht allein einer monopolistischen Gruppe unterliegt.556 Dieser neue Zugang ermöglicht einen freien und öffentlichen Diskurs, den viele Akteure als Chance und als Bestandteil der Aussöhnung sehen.

Nach Bernhard Giesen soll hier auf die Träger von Erinnerung eingegangen werden: Schon seine Unterscheidung der Gruppen, die Vergangenheit...

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