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Die Familie der Fürstin

Die herzoglichen Häuser der Pommern und Sachsen im 16. Jahrhundert: Erziehung, Bücher, Briefe

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Dörthe Buchhester

Die Familie der Fürstin beschreibt das Wirken Marias von Sachsen (1515–1583) als Herzogin von Pommern im Kreis ihrer Kernfamilie hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder, des Aufbaus der ersten nachgewiesenen pommerschen Hofbibliothek und des weitgespannten Netzwerks von Korrespondenzen. Bezogen auf die Bereiche Erziehung, Bücher und Briefe werden die Handlungsspielräume einer bisher kaum wahrgenommenen Fürstin im Reformationszeitalter in ihrem Wirken für ihre Familie transparent. Dabei arbeitet Dörthe Buchhester unter anderem die Möglichkeiten eigenhändiger weiblicher Korrespondenz unter Anwendung der Systemtheorie von Niklas Luhmann heraus.
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6. Die herzoglichen Bibliotheken

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6.Die herzoglichen Bibliotheken

Es ist ein recht fürstlich werck […], ein stattliche ansehnliche Bibliothek […] zu haben und auf die nachkommen zu erhalten, wie dan viel löblich verständige könige und fürsten nach außweißung der historien sich dessen vor dieser zeit beflißen.834 Diese Formulierung des Pfalzgrafen Ottheinrich in seinem 1558 entstandenen Testament zeigt die Bedeutung fürstlicher Bibliotheken sowohl als Ausdruck fürstlichen Prestige- und Repräsentationsanspruchs835 als auch humanistischen Bildungsstrebens836. Zudem erinnert sie fast wortwörtlich an eine Forderung des mansfeldischen Kanzlers Georg Lauterbeck, der das achte Kapitel in seinem Regentenbuch so überschrieben hat837. Johann Friedrich I., Kurfürst von Sachsen, wird gern mit den Worten zitiert, seine Bibliothek sei nicht das geringste, sondern sein teuerstes Kleinod838, was Joachim Bauer zu der scherzhaften Überlegung veranlasste, ob es sich bei ihm um einen kurfürstlichen Büchernarren handelt, wie er bei Sebastian Brant im Narrenschiff beschrieben sei839. Die adelige Beschäftigung mit Literatur ist nur eine von vielen Ausdrucksformen höfischen Lebens840. Hier wird untersucht, wann sich diese in institutionalisierter Form, also als Büchersammlung beziehungsweise Bibliothek, in Pommern verorten lässt.

Bibliothek meint sowohl eine Büchersammlung als auch den Raum, der sie beherbergt841. Bis zur Entstehung der Pultbibliothek (liberia) im 13. Jahrhundert, die Leseort und Aufbewahrung verbindet, werden Bücher zumeist in Truhen und Schränken aufbewahrt842. Nach der Erfindung des Buchdrucks wurden die ← 179 | 180 → Sammlungen oft zu groß für eine derartige Aufbewahrung843, dennoch bestand die Tradition...

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