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Der Zweite Weltkrieg im polnischen und deutschen kulturellen Gedächtnis

Siebzig Jahre danach (1945–2015)

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Edited By Jerzy Kałążny, Amelia Korzeniewska and Bartosz Korzeniewski

Die Autoren untersuchen den Wandel des Bildes des Zweiten Weltkrieges, der sich in der Erinnerungskultur in den letzten 25 Jahren in Polen und in Deutschland vollzogen hat. Ihre Perspektive öffnet den Blick auf das Zusammenspiel der Veränderungen, die sich aus dem Übergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis ergeben, mit denen, die durch neue politische Situationen bzw. neue erinnerungskulturelle Tendenzen bedingt sind. Dieser facettenreiche und durchaus kontroverse Prozess wird an Beispielen aus der Literatur, der Filmkunst und dem Museumswesen veranschaulicht.
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Jerzy Kałążny - Zwischen Geschichte und Erinnerung. Der Zweite Weltkrieg in der deutschen Literatur der letzten zwei Jahrzehnte

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Jerzy Kałążny

Zwischen Geschichte und Erinnerung

Der Zweite Weltkrieg in der deutschen Literatur der letzten zwei Jahrzehnte

Der Roman Ein springender Brunnen (1998) von Martin Walser beginnt mit einer Reflexion über die Unhaltbarkeit der im menschlichen Gedächtnis gespeicherten Erinnerungen: „Solange etwas ist, ist es nicht das, was es sein wird, wenn es nicht mehr ist. Wenn etwas vorbei ist, ist man nicht mehr der, dem es passierte.“1 Indem wir über die Vergangenheit sprechen – meint der Schriftsteller – sagen wir über sie nur das, was wir sagen wollen und was uns aus gegenwärtiger Sicht angemessen erscheint. Die Thematik des Romans (eine Kindheit im Dritten Reich, Wirkungsmechanismen des Gedächtnisses und Unverfügbarkeit des individuellen Gedächtnisses angesichts aller Versuche, es nachträglich nach einem bestimmten Muster zu modellieren), seine kritische Aufnahme (dem Autor wurde u.a. die Verfälschung der Vergangenheit und Ausblendung des Holocaust vorgeworfen) und Walsers öffentliches Engagement für das Eingestehen der Verantwortung der deutschen Nation für Krieg und Holocaust (die berühmte Friedenspreisrede 1996 und die Walser-Bubis-Debatte) stellen die nach wie vor bedeutende Rolle der Literatur in der deutschen Erinnerungskultur und im modernen Kriegsdiskurs unter Beweis. Der um die Jahrtausendewende veröffentlichte Roman bezeugt die Entwicklung der Kriegsliteratur von den Postulaten einer realistischen Wirklichkeitsbeschreibung, die deutsche Schriftsteller unmittelbar nach der Kriegskatastrophe formulierten, indem sie „Aussprechen was ist!“ (Theodor Plivier), „schreiben […] was ist“ (Wolfgang Weyrauch) verlangten bzw. meinten, dass „[d]ie Aufgabe des Schriftstellers die Deskription...

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