Show Less
Restricted access

Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

Series:

Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
Show Summary Details
Restricted access

12. Sittlichkeit, gesellschaftliche Reproduktion und das Verhältnis zur Natur

Extract

Die Gegenüberstellung von Sittlichkeit und gesellschaftlicher Reproduktion verweist auf die unterschiedliche Fundierung der Philosophie der gesellschaftlichen Praxis bei Hegel und Marx. Sie soll hier nur skizzenhaft dargelegt werden, um daran anknüpfend ihre konträre Akzentuierung des Verhältnisses menschlicher Praxis zur Natur im Hinblick auf unsere heutigen ökologischen Probleme explizieren zu können.

1. Erst mit der „Sittlichkeit“, dem dritten Teil seiner „Philosophie des objektiven Geistes“, betritt Hegel explizit den Bereich gesellschaftlicher Praxis, während die beiden vorausgegangenen Teile, das „abstrakte Recht“ und die „Moralität“, so dargelegt werden, als ob sie rein aus dem Willen des Menschen schlechthin bzw. aus der Individualität seiner Gewissensentscheidung erwachsen würden, obwohl sie natürlich beständig, aber unausgesprochen menschliche Gesellschaftlichkeit voraussetzen müssen. Die Sittlichkeit entfaltet Hegel in drei strukturellen Gestaltungen: der natürlichen Sittlichkeit der Familie, der entzweiten Sittlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft und der verwirklichten Sittlichkeit des Staates.

Natürliche Sittlichkeit steht bei Hegel für die menschlichen Beziehungen in ihrer substantiellen Praxis in der Familie. Wobei Hegel unter „natürlich“ selbstverständlich nichts Naturhaftes versteht, sondern die Unmittelbarkeit der zweiten Natur meint, also „die unmittelbare Substantialität des Geistes“, die in der Liebe von Mann und Frau und den Eltern zu ihren Kindern „seine sich empfindende Einheit“ hat. (Hegel 7, 307)

Gegenüber der natürlichen Sittlichkeit der Familie in ihrer substantiellen Einheit erscheinen in der bürgerlichen Gesellschaft die Vereinzelung der um ihre ökonomische Erhaltung gegeneinander agierenden Produzenten einerseits...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.