Show Less
Restricted access

Beiträge zu einer Galizienliteratur

Series:

Alois Woldan

Die Aufsätze in diesem Band behandeln Aspekte des literarischen Lebens in Galizien vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie basieren zum großen Teil auf vergleichenden Untersuchungen, die polnische, ukrainische und deutschsprachige Texte mitberücksichtigen. So können sowohl allgemeine und theoretische Aspekte wie Identität, Mehrsprachigkeit oder Gedächtnisorte als auch Themenkomplexe aus dem Raum Galizien (Huzulen, Erdölthematik, Stadttext von Lemberg) erörtert werden. Dazu kommen Studien zu einzelnen polnischen und ukrainischen Autoren wie Ivan Franko, Jerzy Harasymowicz, Andrzej Kuśniewicz, Andrzej Stasiuk, Andrzej Stojowski und Jurij Andruchovyč, die im galizischen Kontext verortet werden.
Show Summary Details
Restricted access

Zur Dichtung von und über Lemken

Extract



Die Dichtung der Lemken kann zweifelsohne als eine „kleine Literatur“ angesehen werden, ob auch das Kriterium der Regionalität gegeben ist, scheint aufgrund des historischen Schicksals, das diese Minderheit im 20. Jahrhundert erfahren hat, fraglich. Historische Ereignisse geben die Erklärung dafür, warum diese Literatur aus ihrem angestammten Ort in den polnischen Karpaten quasi diagonal über das heutige Polen auch an die Ostsee gelangt ist – durch gewaltsame Deportation jener Gruppe von Menschen, die diese Sprache sprechen und in dieser Sprache schreiben.

Im Jahr 2007 jährte sich ein für Polen wenig ruhmvolles Datum zum 60. Mal – die sog. „Akcja Wisła“ [Aktion Weichsel] vom Frühjahr 1947, bei der innerhalb weniger Wochen die gesamte Bevölkerung der Niedrigen Beskiden und der im Osten anschließenden Bieszczady, in etwa 150.000 Personen, aus- und in die neu gewonnenen Gebiete im Norden und Westen (die sog. „ziemie odzyskane“) umgesiedelt wurden1. Der Grund oder besser Vorwand dafür war die Kollaboration mit ukrainischen Partisanen der UPA2, die sich in diesem gebirgigen Winkel, der heute zwischen Polen, der Slowakei und der Ukraine liegt, noch zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehalten und der sozialistischen Volksrepublik wie auch dem großen Bruder im Osten einiges Kopfzerbrechen bereitet hatten. Dass der Großteil der von dieser Aktion Betroffenen unschuldig war, dass neben den Lemken, die diese Gebiete in der Mehrzahl bewohnten, auch Ukrainer und sogar einige wenige Polen, die dort gewohnt hatten, deportiert wurden, dass man für die der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.