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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2003 Kultur- und Zivilisationskonflikte

← 162 | 163 → 2003

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Die Phänomene sind ähnlich und damit vergleichbar, lediglich in ihren Dimensionen regional unterschiedlich. Reisen der jüngsten Zeit nach Ägypten, Brasilien, Argentinien und Chile, Mexiko und Belize, aber auch in die Nachfolgestaaten dessen, was man missbräuchlich real existierenden Sozialismus genannt hatte, bezeugen ein nahezu identisches Bild: Eine rasante technologische Entwicklung findet statt; freilich nahezu ausschließlich im tertiären und quartären Sektor. Nutznießer dieser Entwicklung ist eine ungemein kleine Schicht, bestehend aus einer Mischung gewiefter Händler, Parteibürokraten und – in Russland und Chile vor allem – alter Kader aus der Diktaturzeit. Der Mittelstand gleitet unaufhörlich in das soziale Elend ab und vermehrt die Zahl der Armen; das Bildungssystem gerät immer mehr zum Chaos, unter anderem deshalb, weil schulische und akademische Ausbildung nichts oder nur wenig gelten und schlecht honoriert werden. An seine Stelle tritt in wachsendem Maße ein vielkanaliges Fernsehsystem, verstärkt durch Massenangebote seichter Videoproduktionen: Beides überflutet die Massen und verführt sie immer mehr dazu, Virtualität für Realität zu halten, Schein oder Mythos für Wirklichkeit.

Allenthalben zu beobachten ist ein Verfall kultureller Werte, dramatisch in den Ländern des Umbruchs wie Russland: Der Fall des pseudo-kommunistischen Systems hat ein Vakuum hinterlassen, in dem Mafia-Organisationen ihren Gewinn machen, Familie und Erziehungssystem als wertstiftende Institutionen aber kaum noch existieren. Was Wunder, dass die orthodoxe Kirche, von der sich viele Rettung erhoffen, daraus ihren Nektar saugt: Sie ist dabei häufig in übler Gesellschaft mit alten und neuen...

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