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In dreißig Jahren um die Welt

Begegnungen mit Menschen, Sprachen und Kulturen

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Lutz Götze

Der Band enthält Beschreibungen von Reisen, die der Autor als Germanist und Privatreisender während dreier Jahrzehnte in alle Kontinente unternommen hat. Ziel war, die deutsche Sprache und Literatur – als Teil der europäischen Kultur – zu lehren und zu verbreiten. Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie vielfältige Eindrücke prägen die Texte. Grundlage der Schilderungen sind häufig Gedanken Wilhelm von Humboldts über die jeder Sprache innewohnende Weltansicht sowie die Kulturspezifik von Zeit und Raum. Das Glück des Reisens, aber auch die Klage über die ubiquitäre Zerstörung von Kulturen durch einen entfesselten Turbokapitalismus, werden transparent. Der Autor ruft auf zum Widerstand gegen diese scheinbar unaufhaltsame Entwicklung.
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2005 Traumstrände und futuristische Bauten

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Samstag, 17. September 2005

Wieder in Südamerika; nach einem nahezu zwölfstündigen Flug sind wir vorgestern in Galeão gelandet. Es war eng in der Maschine der VARIG, die Stewardessen mürrisch, das Essen schlecht. Rio de Janeiro empfängt uns am frühen Morgen: Die Sonne geht auf über der Gouverneursinsel, die Fahrt mit dem Taxi nach Ipanema verläuft wie gewohnt: Maracana rechts, die Favelas ebenso, Stadtautobahn, Botafogo, Zuckerhut, Tunnel, Copacabana, Tunnel, Strand von Ipanema.

Dennoch ist vieles anders: Wir kennen niemanden mehr in der Stadt, arbeiten diesmal auch nicht, sondern sind nichts als Touristen. Die Stadt atmet Kühle, wenn nicht Kälte. Wir sind zum Ende des brasilianischen Winters angekommen, und der ist selbst in Rio zu spüren. Natürlich klettert die Temperatur, bei Sonnenschein, über 25° Celsius, doch schon am zweiten Tag erleben wir ein heftiges Gewitter und greifen zu Pullover und Regenschirm.

Alle Freunde und Kollegen von früher sind nicht mehr da. Klaus Vetters Freitod liegt schon drei Jahre zurück; wir wollen morgen zu seinem Grab fahren; die Anderen sind in alle Welt verstreut. Beim Spaziergang am Strand von Ipanema schauen wir zu den Fenstern seiner Wohnung von damals hinauf: Das Haus atmet Tristesse wie vieles in der Stadt, die Gesichter vieler Menschen sind von ähnlicher Art.

Doch die Musik lebt unverändert. An nahezu jeder Ecke tönen Samba oder Bossanova-Klänge an unser Ohr, selbst beim morgendlichen Frühst...

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