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Zur Semantik von «rike» in der Sächsischen Weltchronik

Reden über Herrschaft in der frühen deutschen Chronistik – Transformationen eines politischen Schlüsselwortes

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Meike Pfefferkorn

Wie lässt sich die Versprachlichung eines Abstraktums wie Herrschaft in der deutschen Sprache fassen? Insbesondere in einer Zeit, die noch stark vom Lateinischen geprägt ist? Die Untersuchung des Wortgebrauchs von rike innerhalb der ersten deutschsprachigen Prosaweltchronik, der Sächsischen Weltchronik, nähert sich dieser Frage anhand detaillierter Handschriftenauswertungen. Dank der breiten und teils sehr disparaten Überlieferung der Sächsischen Weltchronik ist es möglich, in einem Querschnitt zu erschließen, wie stabil das Reden über Herrschaft in diesem Text ist. Die in der Analyse gemachten Beobachtungen werden abschließend synthesen- und überblicksartig mit bestehenden Beobachtungen zu Herrschaftsvorstellungen in der Entstehungszeit der Sächsischen Weltchronik verknüpft.
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5.1 Do begunde daz rike zwen keiser haben - rike als Handlungsträger

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Insgesamt 40 Mal steht rike im Nominativ. Wie sich bereits gezeigt hat, ist damit nicht immer eine aktive Rolle, sondern oftmals die des Patiens, des Erduldenden, verbunden. Ebenfalls konnte bereits gezeigt werden, dass damit unterschiedliche rike-Typen vorliegen. Neben dem unspezifischen rike findet sich das romisch rike, das kunichrike, welches meistens auch ein an eine Person gebundenes rike ist, und eben die Personen- oder gentes-bezogenen rike. Während sich in der SW die im Nominativ stehenden personengebundenen rike-Belege bis zu Oktavian finden lassen, werden sie für die Folgezeit in der SW durch romisch rike ersetzt. Betrachtet man die Verteilung der Nominativstellen von rike in Bezug auf die Chronologie in der SW, zeigt sich, dass auch bestimmte Handlungen zum Teil auf ganz bestimmte Zeitabschnitte in der SW beschränkt sind. So finden sich ausschließlich in der Erzählung der ersten drei Weltreiche die Formulierungen daz rike hiez, es zerging, erhub sich oder chom uf. Diese Stellen beziehen sich auf die biblischen Herrschaften z.B. die der Perser oder Meder. Mit dem Beginn der griechischen Herrschaft, als Teil der Erzählung des welthistorischen Rahmens, der im Beginn der römischen Kaiserherrschaft und dem Auftreten Julius Caesars und Oktavians mündet [Bl. 10v], finden sich keine vergleichbaren Belege mehr. Bis zu diesem Zeitpunkt werden in der SW Herrschaftswechsel als Übergang des rikes auf eine Person oder Gruppe formuliert, wie z.B. do Tytus der Sabiner kunich starb daz rike der Sabiner wart alain Romar [Bl. 9v] «als Tytus der König der...

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