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Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation an den Kölner Hochschulen

Ein Beitrag zur «Dezentralisierung» der deutschen Kolonialwissenschaften

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Anne-Kathrin Horstmann

Köln und seine Hochschulen blicken auf eine lange, bisher vernachlässigte koloniale Vergangenheit zurück. Sowohl in der Zeit des realen Kolonialbesitzes als auch im Zuge des Kolonialrevisionismus der Weimarer Republik und der NS-Zeit spielten «koloniale Themen» eine kontinuierliche Rolle in Wissenschaft und Öffentlichkeit, obwohl Köln nicht auf den ersten Blick als Kolonialmetropole erscheint und es in der Stadt nie ein «Kolonialinstitut» gab. Wissensproduktion und koloniale Herrschaftslegitimation waren dennoch eng miteinander verknüpft. Die Studie spürt dieser vielschichtigen Verbindung nach und liefert durch ihren lokalhistorischen und postkolonialen Ansatz nicht nur neue Erkenntnisse für die Universitäts- und Stadtgeschichte, sondern auch für eine kritische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte.
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5. Kolonialwissenschaften ohne ‚Kolonialinstitut‘: Die Kölner Hochschulen und das koloniale Projekt

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Zur Zeit des deutschen Kolonialismus besaß Köln zwar keine eigene Universität mehr241, dennoch verfügte die rheinische Handelsmetropole über eigene Lehranstalten, die zunächst vor allem den künftigen Nachwuchs der Wirtschaft und der Medizin theoretisch und praktisch ausbilden sollten und die gleichzeitig einen institutionellen Rahmen für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Kolonien und ‚kolonialen Themen‘ in Köln boten. Mit der Städtischen Handelshochschule, der Akademie für praktische Medizin und der 1919 schließlich neu gegründeten Universität zu Köln stand der kolonialwissenschaftlichen Forschung ein institutioneller background zur Verfügung, der es möglich machte, über vier Jahrzehnte lang auch ohne eigenes ‚Kolonialinstitut‘ in diesem Rahmen aktiv zu sein.

Als erste dieser Lehranstalten wurde 1901 die Städtische Handelshochschule gegründet. Ihre Pläne gehen auf den rheinischen Großindustriellen und Bankier Gustav von Mevissen (1815-1899) zurück, der sich ab 1879 für ihre Gründung einsetzte. Er berief sich dabei auf den Rektor der Alten Universität, Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), der bereits 1786 die Gründung einer „Handlungs-Akademie“ befürwortet hatte.242 Neben einer Denkschrift stiftete von Mevissen ein Startkapital von rund 190.000 Mark243, das wesentlich zur Finanzierung der Einrichtung beitrug, außerdem vermachte er der Stadt Köln nach seinem Tod im Jahr 1899 weitere 300.000 Mark und einige Immobilien, die die Gründung der geplanten Handelshochschule ebenfalls vorantrieben. 1900 beschloss die Kölner Stadtverordnetenversammlung dann endgültig ihre Errichtung, die Eröffnung wurde ← 87...

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