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Befähigen, befähigt werden, sich befähigen – Eine Auseinandersetzung mit dem Capability Approach

Gerechtigkeitstheoretische Überlegungen zur Sozialen Arbeit

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Miriam Lange

Ressourcenorientierung, Empowerment und Befähigung als Konzepte der Wertschätzung der Fähigkeiten von AdressatInnen finden in der Pädagogik zunehmend Beachtung. In diesen Diskurs reiht sich der Capability Approach ein. Der gerechtigkeitstheoretische Ansatz – vom Ökonomen Amartya Sen für die Armutsforschung entwickelt und von Martha Nussbaum sozialphilosophisch erweitert – wird zunehmend interdisziplinär rezipiert. Es geht darum, wie es Menschen gelingen oder möglich gemacht werden kann, das Leben so zu führen, wie sie es selbst wünschen. Die Studie geht der Frage nach, welche Handlungsmaximen für Pädagogik und Soziale Arbeit aus dem Verständnis von Befähigung abgeleitet werden können, untersucht den Capability Approach als eine Referenztheorie dafür und bestimmt Soziale Arbeit als Gerechtigkeitsprofession.
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1. Einleitung

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Fragen und Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit sind nahezu allgegenwärtig, denn seit es Menschen gibt – und überall dort, wo sie in einer Gruppe zusammenkommen – sind sie eine notwendig auszuhandelnde Angelegenheit. Soziale Gerechtigkeitsfragen weisen eine immerwährende Aktualität auf, die je nach Ort, Kultur und Zeitgeist etwas variierende Gegenstände hat.

Die ersten umfassenden schriftlichen Zeugnisse davon gehen auf Platon und dessen Schüler Aristoteles zurück und sind – obschon deren Gerechtigkeitsvorstellungen durch antike Strukturen geprägt waren – als Klassiker in die Geistes- und Sozialwissenschaften eingegangen. Platon und Aristoteles sprachen jedoch noch nicht von sozialer Gerechtigkeit, wie wir den Begriff heute kennen und anwenden; dieser wurde viel später im 19. Jahrhundert von der christlichen Sozial­ethik geprägt (vgl. Höffe 2005, S. 3; Ebert 2010, S. 74). „‚Soziale Gerechtigkeit‘, nicht die Sache, wohl aber das Wort, war etwas Neues, das erst um die Jahrhundertwende [vom 19. ins 20.] in unseren Sprachgebrauch eindrang; wie alles Neue mußte sie um ihre Anerkennung, um ihr Daseinsrecht ringen“ (Nell-Breuning, v. 1980, S. 340). Wenngleich die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit sich heute großer Zustimmung sicher sein kann und als stets gültiges Ideal anerkannt wird, ist sie jedoch keineswegs endgültig ausbuchstabiert, und so herrschen die unterschiedlichsten Vorstellungen davon, durch welche Prinzipien sie sich konstituiert und wie sie auszugestalten sei (vgl. Ebert 2010, S. 15).

Gerechtigkeitsfragen resultieren meist aus Problemstellungen, die gegenwärtig in Entgrenzungen der Moderne (vgl. Thiersch 2006, S. 33), der Pluralisierung von...

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