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Der Gruppenbezug jugendlicher Delinquenz

Zur Notwendigkeit der Berücksichtigung gruppenbezogener Straftaten bei der Anwendung und Auslegung von Jugendstrafrecht

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Julia Lehmann-Björnekärr

Inwieweit ist das strafrechtliche Handeln junger Menschen aus einer Gruppe heraus strafschärfend oder strafmildernd zu berücksichtigen? Die Autorin setzt sich mit dem status quo in Rechtsprechung und Literatur hinsichtlich der Berücksichtigung des Gruppenbezuges auseinander. Letzteres ist im Rückgriff bzw. unter Berücksichtigung von Forschungsbefunden aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu der Bedeutung von Peergroup-Sozialisation, in Verbindung mit Aspekten aus Kriminalitätstheorien, sowie dem Erziehungsgedanken und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Jugendstrafrecht als Täterstrafrecht erfolgt. Schließlich wurde die Frage nach der Notwendigkeit einer jugendspezifischen Auslegung materieller und prozessualer Regelungen unter dem Aspekt des Gruppenbezuges aufgegriffen. Im Rahmen der Untersuchung entstand unter anderem ein Mehrfaktorenmodell für die Erklärung gruppendelinquenten Verhaltens.
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IV. Zur Begründung der strafrechtlichen Berücksichtigung gruppenbezogener Straftaten von Jugendlichen

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Zunächst ist der Bedeutungszuwachs der Peergroup durch die geschichtliche Entwicklung des jugendlichen Gruppenbildungsphänomens veranschaulicht worden. Das letzte Jahrhundert wurde durch das in Erscheinung treten verschiedenster Jugendszenen geprägt. Gemeinsames Kennzeichen aller Jugendkulturen ist ihre Funktion als Widerstands- und Protestkultur mit oder auch ohne den Einsatz von Gewalt. Es ist deutlich geworden, dass der Konflikt um die individuellen Bedürfnisse und Interessen Jugendlicher und der damit einhergehende jugendliche ← 114 | 115 → Veränderungswille vorwiegend im jugendkulturellen Kontext innerhalb der Peergroups ausgetragen wird. In dem Zusammenhang wurden im Anschluss Befragungsergebnisse zur Cliquenbildung Jugendlicher der Shell Jugendstudien der letzten Jahre präsentiert. Es ist gezeigt worden, dass seit Anfang der 1990er Jahre die Einbindung und das Miteinander in der Clique zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass der Rolle der Peers als Sozialisationsinstanz, insbesondere für junge Menschen im Alter von fünfzehn bis einundzwanzig Jahren, eine herausragende Bedeutung zukommt.

Daran anschließend ist ein Blick auf die Frage geworfen worden, inwiefern der Anstieg der Schulverweildauer bzw. Berufsvorbereitung Einfluss auf die Bildung jugendlicher Gruppen nimmt. Durch zunehmende Schul- und Ausbildungszeiten, aber auch der Tatsache, dass immer mehr junge Menschen weiterführende Schulen besuchen und höhere Bildungsabschlüsse erzielen, ist das jugendliche Individuum über einen längeren Zeitraum altershomogenen Tendenzen ausgesetzt. Zu diesen altershomogenen Tendenzen zählt, wie dargelegt, unter anderem auch das Phänomen der Gruppenbildung. Letztlich war festzuhalten, dass der Anstieg der Schulverweildauer/Berufsvorbereitung durchaus seinen Beitrag zur jugendlichen Gruppenbildung leistet. Vorstehende...

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