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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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on lat. varietas = Vielfalt. Trotz aller für erfolgreiche Kommunikation unverzichtbaren → Normen ist keine Sprache in sich homogen. Die oben unter → Dialekt, Idiolekt, Soziolekt, Jargon und Slang erläuterten Begriffe haben die Heterogenität der Sprache bereits von verschiedenen Blickwinkeln aus beleuchtet. Für das Ensemble dieser verschiedenen, geographisch, ethnisch, historisch und soziologisch bedingten Abweichungen benutzen Sprachwissenschaftler den Begriff Varietäten. Die größte Bandbreite an beschreibbaren Varietäten besitzt die englische Sprache, deren weltweites Wachstum eine Fülle „bunter Triebe“ hervorgebracht hat: irisches Englisch, schottisches Englisch, australisches, neuseeländisches, amerikanisches und kanadisches Englisch – alles nationalspezifische Abwandlungen und Erweiterungen einer sprachlichen Grundstruktur. Hinzu kommen Black English, Pidgin English, kreolisches Englisch sowie die diversen, relativ neuen Mischformen → Denglisch, Franglais, Italianglo, Spanglish und Chinglish, in denen freilich die Ausgangssprachen noch dominant sind und es wohl auch bleiben werden. Der Varietätenbegriff wird im Wesentlichen deskriptiv und wertneutral benutzt, da die Wissenschaft keine Möglichkeit sieht, qualitative Differenzierungen vorzunehmen, ohne des Vorurteils oder der Ideologisierung bezichtigt zu werden. Allerdings ist zu beobachten, dass die dynamische Entwicklung von Varietäten Zentrifugalkräfte freisetzten kann, welche – im Fall Englisch – die zentrale Position der britischen Standardsprache schwächt. Es ist interessant und scheinbar paradox, dass einerseits die englische Sprache infolge der Globalisierung immer größere Verbreitung findet, andererseits die Varietäten aber so auseinanderstreben, dass das Zentrum geschwächt wird. Manche Sprachwissenschaftler sehen hier einen Präzedenzfall in der Geschichte der lateinischen Sprache und sagen wachsende Kommunikationsprobleme voraus.

siehe Standard-, Verkehrs- und Amtssprache

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