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Von der Bildung des Politischen zur politischen Bildung

Politikdidaktische Theorien mit Hannah Arendt weitergedacht

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Evelyn Temme

Hannah Arendt beschäftigt sich in ihren Schriften mit konkreten Erfahrungen in der Welt. Ihr Verständnis von Politik definiert sich durch Phänomenalität und entsteht durch Handeln zwischen den Menschen. Arendt zeigt eine Idee des Politischen, die daran erinnert, dass politisches Handeln Freiheit ist, Freiheit schafft und unterschiedliche Menschen im öffentlichen Raum zusammenführt. Ausgehend von diesen Einsichten zeigt die Verfasserin, dass Arendts Herangehensweise auch für aktuelle politikdidaktische Fragestellungen wegweisend ist. Ihr Werk und ihr in Abgrenzung zu klassischen Theorien entwickeltes politisches Verständnis bietet die Möglichkeit, Konzeptionen politischer Bildung gewinnbringend weiterzudenken.
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1. Einleitung

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„Hannah Arendt – Ihr Denken veränderte die Welt“ – mit diesem Titel feierte am 8. Januar 2013 der Film von Regisseurin Margarethe von Trotta in den deutschen Kinos seine Premiere. Gerade der Untertitel lässt dabei vermuten, dass es sich bei diesem Film um eine gesamtbiographische Darstellung des Werkes Arendts handelt; der Film befasst sich jedoch ausschließlich mit einem – wenn auch bedeutenden – Abschnitt im Leben Hannah Arendts: Es werden ihre Beobachtung und anschließende Veröffentlichung des Eichmann-Prozesses in Jerusalem Mitte der 1960er Jahre und die sich daraufhin entwickelte Kontroverse gezeigt. Dabei sind es vor allem ihr Begriff von der „Banalität des Bösen“ und ihre sarkastische, oftmals auch sehr distanzierte Ausdrucksweise, die in der Öffentlichkeit so heftig diskutiert wurden. Arendt hat in ihrem Buch Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der für den Transport von Millionen europäischer Juden in die Vernichtungslager verantwortlich war, nicht als Ungeheuer, sondern als „lächerlichen Hanswurst“1 bezeichnet, der unfähig war zu denken.2 Ihre Absicht war es, die „Legende von der Größe des Bösen“, zu zerstören und den Menschen die Bewunderung von der „dämonischen Macht“ zu nehmen.3 So zitiert Arendt in einem Interview den Schriftsteller Bertolt Brecht:

„Die großen politischen Verbrecher müssen preisgegeben werden, insbesondere der Lächerlichkeit. Sie sind nicht große politische Verbrecher, sondern Menschen, die große politische Verbrechen zuließen, was etwas vollkommen anderes ist...

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