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Kultur und Erziehung

Neukantianische Pädagogik als transkulturelles Erziehungskonzept

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Katayon Meier

Seit vielen Jahren wird die sogenannte «multikulturelle» Struktur der Bundesrepublik Deutschland in unterschiedlichen pädagogischen Konzepten problematisiert. Vor allem die Erziehung wird in diesem Kontext als Herausforderung angesehen. Dass Kultur und Erziehung in Zusammenhang stehen, scheint evident zu sein. Was jedoch genau unter den Begriffen Kultur und Erziehung zu verstehen ist und wie diese in Zusammenhang stehen, bleibt oft diffus und trägt eher zur Verschleierung als zur Erhellung des Sachverhalts bei. Folgende Studie klärt anhand einer problemgeschichtlich-systematischen Analyse den Begriff Kultur und deren Verbindung mit dem Begriff Erziehung und erarbeitet anhand der gewonnenen Erkenntnisse ein transkulturelles Erziehungskonzept, das den veränderten Bedingtheiten des Heranwachsens Rechnung trägt und die Selbstbestimmung des Individuums und dessen kulturelle Freiheit in den Mittelpunkt stellt.
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4. Erziehungskonzepte angesichts der Pluralität der modernen Gesellschaften

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Die Tatsache, dass die Kultur sich im Laufe der Zeit verändert, dies wurde in den vorherigen Kapiteln ersichtlich, ist kein Phänomen der Neuzeit. Es ist auch keine neuartige Gegebenheit, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Welt begegnen oder in demselben Ort Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, mit verschiedenen Lebensgewohnheiten, Sprachen und Konfessionen zusammenleben. Es gab immer schon Gesellschaften, in denen Pluralität mehr, und andere, in denen sie weniger ausgeprägt war. Für die ausgeprägte Pluralität in der Geschichte steht beispielsweise das antike Griechenland, in dem unter anderem ägyptische, persische, babylonische und phönizische Denkrichtungen und Lebensweisen zusammenkamen (vgl. Welsch 2011, S. 153). Neu ist allerdings, nicht zuletzt wegen der technischen Möglichkeiten, auf der einen Seite das Ausmaß und die Geschwindigkeit des kulturellen Wandels und Austausches weltweit und auf der anderen Seite die zunehmende Individualisierung, die den Menschen immer mehr die Freiheit und damit die Verantwortung zur Selbstverortung in dem kulturellen Gefüge gestattet (vgl. Mall 1995, S. 57 und Seitz 2005, S. 59). „Der große, wenngleich beunruhigende Vorteil dieser Situation besteht darin, daß sie uns ein stärkeres Bewusstsein von der Kultur als Konstruktion und von der Tradition als Erfindung verschafft“ (Bhabha 2000, S. 257). Die steigende Pluralität der möglichen Lebensformen, die rapide Differenzierung in allen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Kulturbereichen, wie die Verstädterung und damit einhergehend die zunehmende Individualisierung, waren, wie dargestellt wurde, schon zentrale Themen der Kulturphilosophie und Kulturpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Unsicherheit,...

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