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Kulturelle Schlüsselbegriffe der Schweiz im öffentlichen Diskurs

Eine kultursemantische Untersuchung

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Jadwiga Madej

Der Band zeigt die Eigenarten der Schweiz an relevanten Stichworten aus Geschichte, Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft sowie dem sozialen Leben und der eidgenössischen Mentalität auf. So offenbaren sich die eigentümlichen Aspekte der schweizerischen Identität anhand kultureller Schlüsselbegriffe. Wichtige Assoziationen und Positionen zu den Schlüsselbegriffen sind jeweils anhand der Gedanken und Werke diverser Schriftsteller dargestellt. Den Abschluss bildet eine linguistische Graduierung und Klassifizierung der Schlüsselbegriffe. Ihr idiomatischer Charakter erlaubt es, die Schlüsselbegriffe als kulturelle Idiome mit verschiedenen Graden an Idiomatizität zu betrachten. Über die Grenzen der Schweiz hinaus ist die Untersuchung auch für das Gebiet der deutschen Sprache und Kultur relevant.
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7. Vom Sonderfall zum Sanierungsfall? – aktuelle Assoziationen zu den kulturellen Schlüsselbegriffen der Schweiz

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Als die Nachkriegszeit und damit die Phase des Aufschwungs und der großen Prosperität zu Ende ging – abgelöst durch eine 1973 von steigenden Ölpreisen angeheizte Wirtschaftskrise – brach der ungebremste Wachstumstrend und die Weltwirtschaft trat in eine neue Entwicklungsphase ein. Aufgrund der Ölkrise mussten neue Möglichkeiten des Wachstums gesucht werden, so setzten breit angelegte globale Umwälzungen ein, welche veränderte politische, wirtschaftliche und soziale Konstellationen mit sich brachten. Der Ausstieg aus dem Wohlfahrtsstaat in die Marktwirtschaft nahm seinen Anfang; gefordert waren mehr Markt statt Interventionismus, Protektionismus und Wohlfahrtsstaat.

Während die Länder Europas die marktwirtschaftlichen Reformen bis in die 90er Jahre hinein erfolgreich vollzogen, blieb die Schweiz weiterhin bei ihren alten Prinzipien und traditionellen Staatsstrukturen aus dem 19. Jahrhundert, welche das Land in der Nachkriegszeit zum Wohlstand geführt hatten. Gleichzeitig hatte man sich vor übertriebenen sozialistischen Regulierungen des Arbeitsmarktes wie etwa in Frankreich gehütet. Die Arbeitgeber in der Schweiz mussten auch keine Streiks ihrer Belegschaft befürchten wie in Italien, wo neben zahlreichen Streiks auch unzählige Regierungen sich in kurzer Folge über Jahrzehnte hinweg ablösten und so keine Stabilität garantieren konnten. Man berief sich in der Schweiz ununterbrochen auf die traditionellen kulturellen Schlüsselbegriffe wie beispielsweise auf den Föderalismus, auf die direkte Demokratie, Neutralität, Unabhängigkeit, Souveränität oder Freiheit, welche mit der sagenhaften Gestalt eines Wilhelm Tells...

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