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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

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Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
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Junge als Anders-Sprecher? Zur Teilhabe junger Sprecher an lokalen Spracheigentümlichkeiten: Helen Christen

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In ihrem Grundlagenbuch zur Jugendsprache geht Eva Neuland (2008) auf den Sprachzerfallsdiskurs ein, dessen pauschalisierende Negativurteile häufig Jugendliche und ihre Sprache betreffen. Hinsichtlich der Standardsprache werden u a. „nachlassende Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse“, aber auch „Ausdrucksschwächen und mangelndes Sprachgefühl“ (Neuland 2008, 5) moniert. Ist die gesprochene Sprache wie in der Deutschschweiz ein regionaler Dialekt, dessen Grammatik über bloß subsistente Normen verfügt, wird – selten wertungsfrei – konstatiert, dass „Schüler den Ortsdialekt nicht mehr sprechen“ oder dass Junge „sprachgeographisch weiterverbreitete, von der kleinräumigen traditionellen Stadtmundart abweichende Varianten“ gebrauchen würden (Weltwoche 31, 2003). Bei den beklagten, negativ sanktionierten Abweichungen von einer Norm handelt es sich nicht zwingend um ‚Jugendsprache‘, wie sie als emische Größe alltagsweltlich konzeptioniert oder etwa von Jannis Androutsopoulos (1998, 592) wie folgt definiert wird:

„Jugendsprache ist eine sekundäre Varietät, die in der sekundären Sozialisation erworben, in der alltäglichen informellen Kommunikation im sozialen Alter der Jugend habituell verwendet und als solche identifiziert wird. Sie wird auf der Basis einer areal und sozial verschiedenen Primärvarietät realisiert und besteht aus einer Konfiguration aus morphosyntaktischen, lexikalischen und pragmatischen Merkmalen, deren Kompetenz, Verwendungshäufigkeit und spezifische Ausprägung nach der soziokulturellen Orientierung der SprecherInnen variiert.“

In Androutsopoulos’ Modell statisch konzipierter Sekundär- und Primärvarietäten ausgedrückt fürchtet der Sprachverfallsdiskurs um die ‚richtige‘ Fortschreibung der Primärvarietät, die durch jugendlichen Sprachgebrauch quasi Schaden nehmen soll und in nur mehr mangelnder Qualität an Folgegenerationen weitergereicht w...

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