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Geschichte in Bildern – Bilder in der Geschichte

Fallbeispiele zur historischen Bildforschung

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Edited By Eugen Kotte

Seit den 1990er Jahren hat sich das Augenmerk der Geschichtswissenschaft zunehmend auf die Auseinandersetzung mit bildlicher Überlieferung gerichtet, eine Entwicklung, die ganz unmittelbar im Kontext des kulturwissenschaftlichen Iconic Turn zu sehen ist. Bilder werden seitdem grundsätzlich in die historische Forschung und Vermittlung einbezogen und weit über ihre bloße Illustrations- und Anschauungsfunktion als genuine Quellen, als Medien der Erinnerungskultur sowie als geschichtskulturelle Objektivationen wahrgenommen. Es interessieren neben ihrer artifiziellen Eigenart sowohl der Produktions- als auch der Rezeptionsprozess, nach deren jeweiligen Kontexten nun dezidiert gefragt wird. Dieser Visual History tragen die Beiträge dieses Bandes Rechnung, indem sie nicht nur verschiedene Zugriffe aufweisen und höchst unterschiedliche Inhalte thematisieren, sondern auch ein Spektrum unterschiedlicher Bildgattungen und Motive aufzeigen, die zu verschiedenen Zeiten in diversen Ländern Konjunktur hatten.
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Lukas Aufgebauer: Otto Dix: Der Krieg (1929-32)

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Lukas Aufgebauer

Otto Dix: Der Krieg (1929-32)

Vermutlich als gut gemeinte Empfehlung eines alten Veteranen schrieb Otto Dix 1939 nach Kriegsbeginn einem seiner Schüler: „Nehmen Sie ein gutes Skizzenbuch mit, wir brauchen nach dem diesmaligen Weltkrieg wieder tüchtige Kriegsmaler.“1 Diese en passant in einem Brief mitgeteilte Einstellung zum künstlerischen Umgang mit Krieg konfrontiert uns mit einer Selbstauffassung, die im Deutschland des 21. Jahrhunderts befremdlich klingen mag, aber eine von vielen historischen Sichtweisen repräsentiert. Dix selber war Kriegsveteran – er hatte bis 1918 als MG-Schütze im Ersten Weltkrieg gedient und ihn glücklich überlebt. Die Kunstwissenschaftlerin Annegret Jürgens-Kirchhoff zählt auf, welche anderen Künstler ebenfalls in den Ersten Weltkrieg zogen und – im Gegensatz zu Dix – dort fielen oder völlig verstört bzw. schwer versehrt zurückkehrten2: August Macke fiel bereits im September 1914, Franz Marc im März 1916; Ernst Ludwig Kirchner brach 1915 psychisch zusammen und wurde entlassen, Max Slevogt blieb nur einen Monat von Oktober bis November 1915 als freiwilliger Kriegsmaler an der Front, dann verließ er diese fluchtartig – entsetzt und angewidert von dem, was er erlebte. Ähnlich erging es George Grosz, Ernst Barlach, Oskar Kokoschka – berühmte Namen, untrennbar mit der Kunst der Moderne verbunden. Für sie war der Erste Weltkrieg ein „Schicksalskrieg“3, in den sie mit großen Erwartungen, erlebnishungrig oder auch im patriotischen Überschwang zogen, bis die Erfahrung, Opfer und Täter in einem „Menschenschlachthaus“4 zu sein, die...

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