Show Less
Restricted access

Finnische Germanistentagung 2012

Einblicke und Aussichten

Series:

Irma Hyvärinen, Ulrike Richter-Vapaatalo and Jouni Rostila

Die Finnische Germanistentagung 2012 brachte rund 70 FachkollegInnen aus dem ganzen Land nach Helsinki. Im Dialog mit renommierten WissenschaftlerInnen aus dem Ausland thematisierten sie Aktuelles in Forschung und Lehre. Dieser Band enthält die Plenarvorträge und ausgewählte, in einem Referee-Verfahren begutachtete Sektionsbeiträge in vier Blöcken: «Einblicke in die Lage des Deutschen in Finnland», «Deutsch im Gebrauch», «Deutsch im Unterricht» und «Literatur als Kulturgut». Die rege Beteiligung und die Bandbreite der Tagung beweisen, dass es nicht schlecht bestellt ist um die finnische Germanistik, dass es jedoch gemeinsamer Bemühungen bedarf, um die akademische Existenz und den traditionell hohen Standard des Fachbereichs auch weiterhin zu sichern.
Show Summary Details
Restricted access

Inwieweit sind Todes- und Traueranzeigen formelhafte Texte? Forschungsbilanz und empirische Beobachtungen zur Textsortenvariation: Stephan Stein

Extract

Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist eine scheinbar widersprüchliche Charakterisierung von Texten in der Textsortenforschung. Adamzik (2008, 145) beschreibt es so:

Jeder Text ist eine individuelle, ganz einzigartige Erscheinung […]. Und doch teilt jeder Text mit mehr oder weniger vielen anderen mehr oder weniger viele gemeinsame Merkmale.

Sieht man von der Schwierigkeit, zu bestimmen, was genau „mehr oder weniger viel“ ist, einmal ab, verbirgt sich dahinter die genau genommen triviale Aussage, dass jeder Einzeltext einer abstrakten Klasse von Texten zugehört bzw. zugeordnet werden kann (Textsorte) und die typischen Eigenschaften dieser Textklasse eben mehr oder weniger gut repräsentiert. Die Annahme von Textsortengeprägtheit bzw. typologischer Intertextualität und Textmusterbezogenheit besagt weiter, „dass man sich bei der Textproduktion grundsätzlich an historisch überlieferten komplexen Mustern orientiert“ (Adamzik 2004, 102). Eine zentrale Frage der Beschreibung von Textklassen und der Textsortenanalyse besteht daher darin, „wie deutlich die fragliche Menge von Texten spezifiziert ist oder anders gesagt: wie standardisiert die Textsorte ist“ (ebd.).1

Schaut man sich die Textwirklichkeit genau an, ist bekanntlich zuweilen beobachtbar, dass die Gestaltung der Textexemplare einer bestimmten Textsorte stark standardisiert erscheint, d. h. dass die Textproduzenten in den meisten Fällen auf Lösungen zurückgreifen, die sich offenbar für die Bewältigung einer bestimmten kommunikativen Aufgabe bewährt haben und infolgedessen sozial ein ← 127 | 128 → gespielt und akzeptiert sind. Auch eine (empirisch gut begründete) Annahme starker Standardisiertheit befreit jedoch nicht von der Aufgabe, das gesamte Spektrum an Einzeltextrealisierungen zu berücksichtigen:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.