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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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t in der Historiographie „Kriegsberichte“ gegeben, die den Test der Zeit ziemlich unangefochten überstanden haben2. Die Chronik, der Gegenstand der vorliegenden Untersuchung, gehört nicht dazu. Ihre Rezeption – über sechs Jahrhunderte hinweg – stellt geradezu ein Lehrstück dar für die Abhängigkeit des Urteils der Historiker vom Geist der eigenen Zeit.

Hart geht der Historiker Ottokar Lorez3, sozusagen im Namen der Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts, mit dem Chronisten ins Gericht, dem die vorliegende Untersuchung gewidmet ist, dem Priesterbruder des Deutschen Ordens Peter von Dusburg (gest. nach 1356) und mit seiner Chronica Terre Prussie4;5: „Nie hat die Geschichte über unterworfene Völker eine grausamere Vernichtung ihres Andenkens verhängt als da, wo priesterliche Geschichtsschreibung die glücklichen Waffen des Eroberers begleitete.“ Man spürt ausgesprochene Antipathie und gleichzeitig die Genugtuung des Gelehrten darüber, dass diese Historie einem vermeintlich überwundenen, dunklen Zeitalter angehöre. „Ein Zeitalter der Aufklärung und Toleranz brachte der mittelalterlichen Geschichte insgesamt nur wenig Sympa ← 13 | 14 → thie entgegen, und der Deutsche Orden war, so schien es jetzt, geradezu der Inbegriff dessen, was man am Mittelalter verachtete“ fasst Hartmut Boockmann, prominenter Mittelalter-Historiker des 20. Jh., die Stimmen einer vorausgegangenen Historikergeneration zusammen.6

Eigenartig ist, dass Dusburgs Chronik des Prussenlandes von 1326 von einer Spur der Ablehnung verfolgt gewesen ist, während die wenig später entstandene „Übersetzung“, die mhd. Reimchronik Kronike von Pruzinlant seines Amtsbruders Nikolaus von Jeroschin7 auf Wohlwollen stieß. Die Reimchronik hatte offenbar ihr Publikum, solange ritterliches Wesen noch seine...

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