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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXII. Ein Ruf zu den Waffen: Die Waffenallegorese

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„Allegorese und Typologie sind bekanntlich die bibelhermeneutischen Prinzipien, die seit der Zeit der Kirchenväter bis weit über das Mittelalter hinaus für die Auslegungsgeschichte der Bibel bestimmend waren. Sie leiten sich aus unterschiedlichen Traditionen her. Die Allegorese hat ihre Vorläufer in der Bildungswelt der griechi ← 330 | 331 → schen Antike (Dichtung und Mythenallegorese), die Typologie ist aus dem innerbiblischen Geschichtsdenken hervorgegangen“.1408 Bedeutung und Gebrauch dessen, was als Allegorie1409/Allegorese1410 gilt, waren – zeitabhängig – in verwirrender Weise verschieden.1411 In der Schriftexegese,1412 im Nachdenken über den Sinn im Verhältnis von Wort und Ding erreichte spätantikes-mittelalterliches Denken einen hohen Grad von Komplexität. Das Anliegen der Exegeten der Zeit, als Hugos v. St. Victor seine Eruditio didascalia verfasste (vor 1125), war die Enthüllung (revelatio) des in den (vom Schöpfergott geschaffenen) Dingen (res) verborgenen, geistigen Sinnes, eines sensus mysticus, insofern er verschlossen bleibt, eines sensus spiritualis, insofern er aufgedeckt wird, um: „aus der stummen Welt der Dinge die Sprache göttlicher Verkündigung zu vernehmen“.1413;1414 Das Bestreben, den ganzen Sinn des offenbarten Verbum divinum auszuschöpfen, beherrschte die Hermeneutik des Mittelalters: Dabei unterschied man im Allgemeinen drei Stufen eines „geistigen“ Sinns des Wortes1415 (und bezeichnete die erste dieser Stufen als Allegorie) „Über ← 331 | 332 → dem Fundament des historischen oder Buchstabensinns des Wortes erhebt sich ein vom Mittelalter selbst so genannter Überbau, der drei Stufen des geistigen Schriftsinns, des allegorischen, des tropologischen und des anagogischen Schriftsinns […] Befragt man den Text nach dem geschichtlich Gewesenen, so antwortet er...

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