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Preußen als Kreuzzugsregion

Untersuchungen zu Peter von Dusburgs "Chronica terre Prussie</I> in Zeit und Umfeld

Hans Hettler

Die konfliktreiche Landnahme des Deutschen Ordens in der Terra Prussie, dem Lande Preußen, und der folgende Aufbau des Ordensstaates Preußen als eine damals viel bewunderte Institution erfolgten ganz im Geiste der Kreuzzüge. Durchdrungen von der Mission seines Ordens hat der Chronist Peter von Dusburg den Weg dahin im Auf und Ab nachgezeichnet. Dabei gelingen ihm teils bildliche Schilderungen, in denen aber auch die ganze Härte jener ideologisch gesteuerten Konflikte zum Ausdruck kommt. Nicht zuletzt deswegen stieß das Werk in der Neuzeit auf harsche Kritik, die einer angemessenen Einordnung als kulturhistorisches Dokument im Zeithorizont entgegenwirkte. Tatsächlich eröffnet Dusburgs Chronik Einblicke in seltener Fülle in die geistig-religiöse sowie die politische Welt am Übergang vom 13. zum 14. Jahrhundert.
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XXXVI. Der 2. Aufstand. Am Rande des Untergangs (1260–1274)

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Da offenbar keine weitere Quelle vorhanden ist, die Dusburgs Darstellung bestätigt oder die mehr Licht in das düstere Geschehen auf Schloss Lenzenburg bringen könnte, wird die Frage „was ist Faktum, was Fiktion“ wohl nie eindeutig entschieden werden. Der Aufstand traf den Orden formal als Landesherrn, faktisch jedoch mehr als Besatzungsmacht, und so geriet er unter die Zwänge, die fast automatisch die Reaktion einer Besatzungsmacht gegenüber Aufständischen bestimmen. Für die Machthaber heißt das, den Aufstand im Keim zu ersticken. Schonungslose Härte ist dann angesagt, stellen sich doch die Aufständischen mit Wissen und Willen außerhalb von Recht und Ordnung, welche die Besatzungsmächte normalerweise gewährleisten, sodass eben jeder Anspruch auf Behandlung als Bürger wie als regulärer Kombattant nach den geltenden Konventionen entfalt. Die Erbitterung auf beiden Seiten ist groß, und sie wächst mit jeder Vergeltungsaktion. Im Falle der Prussenaufstände kam es dem Orden darauf an, den Insurgenten mehr noch als die Aufleh ← 623 | 624 → nung gegen die Ordensherrschaft den Abfall von der christlichen Religion als laesio majestatis Dei anzulasten.

Die Geschichte vom bewundernswürdigen Vogt Volrad belegt zumindest, dass der Aufstand den Orden nicht aus heiterem Himmel traf. Aber die Kräfte des Ordens waren begrenzt, und zum guten Teil anderweitig gebunden. Der Deutsche Orden trug gleichzeitig ja noch die Last der Verteidigung seines Frontabschnitts in Palästina. Dort wie in Preußen waren die Streitkräfte des Ordens für eine flächendeckende...

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