Show Less
Restricted access

Die Entstehung des modernen Erziehungsdenkens aus der europäischen Expansion

Series:

Susanne Spieker

Die erziehungshistorische Forschung richtet ihre Analysen meist auf den Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts. Wird ihr Narrativ näher beleuchtet, zeigt sich eine Gründungserzählung, die den eigenen Forschungsbereich als Teil Europas und des Westens konstruiert. Die Autorin veranschaulicht mit zwei Studien zur Frühen Neuzeit den Beitrag der europäischen Expansion zur Herausbildung modernen Erziehungsdenkens: Bernardino de Sahagún (1499-1590) und John Locke (1632-1704) waren auf je unterschiedliche Weise an der Kolonialisierung Amerikas beteiligt. Neuere Ideengeschichte und Globalgeschichte leiten die Untersuchung; umfassend berücksichtigt werden zeitgenössische Kontexte und globale Verflechtungen. Spiekers Analyse führt im Ergebnis zu einer neuen Erzählung über Erziehung in der Moderne.
Show Summary Details
Restricted access

3.3 Nachdenken über Erziehung bei Sahagún

Extract



Sahagún kannte durch sein Studium in Salamanca die Schriften Nebrijas, Aquins und Erasmus’. Die Bezüge sind jedoch nur indirekt nachzuweisen. Die verschiedenen Orden gingen in ihren Argumentationen unterschiedlich vor; bei den Dominikanern und später bei den Jesuiten war es gebräuchlich, direkte Bezüge zu bestimmten Denkern und ihren Werken herzustellen, indem man Namen nannte. Dieses Vorgehen ist aus heutiger Sicht einsichtiger als die anonyme Verwendung von Quellen, wie sie die Franziskaner pflegten. Für die Franziskaner stand die Verwirklichung ihres Auftrags durch die praktische Mission im Mittelpunkt. Das Individuum, als Urheber, war aus ihrer Sicht weniger relevant. Keinesfalls fehlen aber indirekte Bezüge auf andere Autoren in ihren Schriften. Ein Nachweis muss, wie ich es im Folgenden am Beispiel der Adaptation Aquins in Sahagúns Florentiner Codex zeige, aufgrund von Vergleichen mit verschiedenen Werken erfolgen. Mit Aquin begründet Sahagún die Notwendigkeit seiner umfassenden Befragungen der regionalen Bevölkerung zu ihrer Lebensweise.

3.3.1 Aquin im Florentiner Codex

Suche nach Bezügen

Sollen die Einflüsse nachvollzogen werden, die Sahagúns Florentiner Codex aufweist, lohnt sich ein Blick in die Prologe der Schrift. Jeder Prolog beginnt mit einer Frage- oder Problemstellung, die im Hinblick auf einen Theoretiker, z.B. Aquin (Bd. I), Augustinus (Bd. III), auf römische und griechische Klassiker allgemein (Bd. IV, V, VI, VII) oder die zeitgenössische Predigtlehre (Bd. X, XI) diskutiert wird. Dabei ist anzunehmen, dass den zeitgenössischen Lesern die Quellen hinreichend bekannt...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.