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Identität und Alterität

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Edited By Joanna Flinik and Barbara Widawska

Der Leitgedanke dieser Publikation ist die komplexe Frage nach der nationalen, kulturellen und persönlichen Identität. Welche Identitätsmodelle werden angeboten? Wie bildet sich die Identität im Spannungsfeld des Anderen und inwiefern ist das Andere bei der Herauskristallisierung der Identität notwendig? Bei einzelnen Fragestellungen zu Identität und Alterität geht es um eine Erforschung der Wechselbeziehung, die sich sowohl bei der Wahrnehmung von Fremdheit bzw. Anderssein manifestiert, als auch von Strategien der individuellen und kollektiven Selbstbestimmung beeinflusst wird. Die Studie diskutiert Identität und Alterität aus literatur- und kulturgeschichtlicher Sicht anhand von Künstlerbiographien, nationalen und kulturellen Symbolen, der Erfahrung von Heimat und Migration, der Wahrnehmung deutsch-polnischer Grenzregionen bis hin zu Sciencefiction-Inszenierungen und zeigt, dass Identität als Begriff sowohl für literatur- und kulturwissenschaftliche als auch für historische Analysen vonnöten ist.
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Identitätssuche – in welchem Augenblick?

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Von Identität lässt sich in verschiedener Hinsicht sprechen, wenngleich ein Literaturwissenschaftler als erstes an die Selbstbestimmung einer Romanfigur oder eines Autors bzw. einer Autorin sowie an deren Zugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe denkt. Identität wird hier zumeist als eine Suche nach ihr gedacht, wobei das Ziel keineswegs erreicht werden muss, es bleibt womöglich die Sehnsucht nach dem, womit sich die jeweilige literarische Figur oder eine Gruppe von Menschen identisch zu fühlen meinen.

Das Wort Identität setzt von Anfang an eine Differenz voraus. Selbst der Identitätssatz A=A ist durch Differenz gekennzeichnet, denn um A sagen zu können, muß ich ein zweites A setzen, von dem ich behaupte, es sei dem ersten A gleich. Das Gleichsetzen ist eine Tätigkeit, wenn auch nur eine denkerische. Im Stück Kaspar von Peter Handke lebt von dem Satz „Ich möchte ein solcher werden, wie ein einmal mein Vater war“ (wenngleich Kaspar Hauser diesen Satz so nie ausgesprochen hat, sondern: „Ä sechtene möcht ih wähn, wie mei Vottä wähn is“).1 Er bildet gleichsam das notwendige Hintergrundwissen des Zuschauers. Handkes Stück endet damit, dass viele Kaspars auftreten, die sich alle gleich sind. Ein Vielzahl von Kaspars, von A’s, sehen wir plötzlich vor uns und denken an die Ununterscheidbarkeit der Menschen und Dinge in den modernen Zeiten oder aber auch an die gleichen Wünsche aller. Differenz ist nicht gefragt, denn sonst hätte...

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