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Die Eingemeindungen in die Stadt Kiel (1869–1970)

Gründe, Probleme und Kontroversen

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Julian Freche

Die Untersuchung der Eingemeindungen Kiels hat zwei wichtige Ziele. Zum einen wird eine Gesamtübersicht aller Eingemeindungen in die Stadt erstellt. Zum anderen wird die Stadt mit anderen Teilen Deutschlands verglichen, um aufzuzeigen, ob die Entwicklung Kiels typisch war. Zuerst wird in einer Übersicht die Eingemeindungspolitik in Deutschland im Verlauf von zwei Jahrhunderten kurz dargestellt. Anschließend erfolgt erstmalig die Darstellung aller Eingemeindungen in chronologischer Reihenfolge. Die wichtigsten Quellen sind dem Stadtarchiv Kiel entnommen, anhand derer die Entscheidungsprozesse der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger umfassend untersucht werden. Die Arbeit stellt die These auf, dass Kiel den typischen Verlauf von Eingemeindungen in Deutschland aufweist.
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5 Die Zwischenkriegszeit

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Durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg musste das Deutsche Reich seine Streitkräfte drastisch reduzieren, was auch die Flotte betraf.137 Dies traf vor allem den Reichskriegshafen Kiel schwer, denn die Wirtschaft war bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich auf die Reichsmarine ausgerichtet.138 Deshalb standen bei den Eingemeindungen der 1920er Jahre andere Ziele im Vordergrund als vor dem Weltkrieg. Es ging nun vor allem darum, Industriebetriebe einzugemeinden, um die Einnahmen der Gewerbesteuer zu erhöhen. Im Fall Holtenaus sollten noch nicht genutzte Bereiche der Förde zu Häfen ausgebaut werden. Im folgenden Kapitel werden die Eingemeindungen in der Zeit der Weimarer Republik näher betrachtet. Abweichend davon wird danach mit Elmschenhagen (1939) die einzige Eingemeindung während der nationalsozialistischen Herrschaft dargestellt.139 Ziel dabei war die Erweiterung des Stadtgebiets, um die geplanten Liegenschaften der Kriegsmarine besser verwalten zu können.

5.1 Die Eingemeindungen nördlich des Nord-Ostsee-Kanals

Die königlich-preußische Verwaltung hatte bereits in den 1890er Jahren während des Baus des Nord-Ostsee-Kanals dem Magistrat dargelegt, dass Kiel keinesfalls Gebiete aus dem Landesteil Schleswig eingemeinden dürfe.140 Dies betraf alle Gemeinden nördlich des neuen Kanals. Nach dem Wechsel von königlicher zu republikanischer Verwaltung galt diese Vorgabe nicht mehr und Kiel begann damit, die Eingemeindung von Holtenau voranzutreiben.141 Anlass für die Eingemeindungsverhandlungen war der Versuch der Stadt, Grundstücke an der Förde zu übernehmen, die sich für den Ausbau des zivilen Hafens eigneten.142 Da die meisten Uferstrecken an der...

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