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Die Gefäßchirurgie im Ersten Weltkrieg

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Sabine Eckhardt

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatte man sich mit allen heute gängigen Methoden der Gefäßchirurgie auseinandergesetzt und in diesem Bereich der Chirurgie binnen weniger Jahre wichtige Erkenntnisse gewonnen. Gemäß der oftmals aufgestellten These, ein Krieg bringe für die Medizin, speziell die Chirurgie, Fortschritte, bot sich den Medizinern mit Beginn des Ersten Weltkrieges die Gelegenheit, dieses Wissen zu festigen und zu erweitern. Zeitgenössische Berichte damals tätiger Kriegschirurgen stellen jedoch deutlich die widrigen Bedingungen an der Front dar, die es nahezu unmöglich machten, die bisherigen Erkenntnisse erfolgreich umzusetzen, geschweige denn Fortschritte in diesem komplexen Bereich der Chirurgie zu erzielen.
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2. Der Sanitätsdienst des Ersten Weltkrieges im Hinblick auf die Möglichkeiten der Gefäßchirurgie

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Um die Rolle der Gefäßchirurgie während des Ersten Weltkrieges und ihre Entwicklung beurteilen zu können, ist eine kurze Darstellung der Struktur und Organisation des Heeressanitätswesens unabdinglich. Dieses spielte eine immer wichtigere Rolle in den bewaffneten Auseinandersetzungen, denn es war unter anderem auch Ausdruck der Schlagkraft einer Truppe. Demnach wäre die Widerstandskraft aller am Krieg beteiligter Mächte ohne eine gut organisierte und personell ausreichend besetzte Sanitätskompanie schon nach wenigen Wochen erschöpft und der Krieg verloren gewesen. Aufgrund dessen hatte man nach dem Krieg 1870/1871 kontinuierlich versucht, das Heeressanitätswesen weiterzuentwickeln und im Ablauf zu perfektionieren.18 Man gelangte zu der Erkenntnis, dass die in Frontnähe operierten und erst dann nach rückwärts transportierten Soldaten nach vergleichbarer Zeit eine geringere und weniger schwere Wundeiterung vorwiesen als die zurückhaltend und ohne entscheidende Maßnahmen behandelten Verletzten. Darüber hinaus war die moralische Anwesenheit einer in Frontnähe stationierten Operationsgruppe bei der kämpfenden Truppe nicht zu unterschätzen.19

Die Genfer Konvention bildete eine wesentliche Grundlage für das Heeressanitätswesen. Sie erklärte die Neutralität der Verwundeten, Kranken und des Pflegepersonals und wurde formal bereits 1864 von allen europäischen Mächten anerkannt. In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage, ob diese auch tatsächlich in allen Fällen eingehalten werden konnte.20 Beispielsweise wird aus den Berichten vieler an der Front tätiger Ärzte und Sanitäter deutlich, dass das Bergen von Soldaten vom Schlachtfeld, die während eines...

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