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Morgenland und Moderne

Orient-Diskurse in der deutschsprachigen Literatur von 1890 bis zur Gegenwart

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Edited By Axel Dunker and Michael Hofmann

Die Ereignisse nach dem 11. September 2001 und die jüngsten gesellschaftlichen Umbrüche im Nahen Osten, der Irak-Krieg, der Bürgerkrieg in Syrien, der fortdauernde Konflikt in Afghanistan, aber auch die interkulturellen Probleme innerhalb Deutschlands machen deutlich, wie wichtig die Bilder und Vorstellungen sind, die sich der «Westen» vom traditionell auf den Begriff des «Orients» gebrachten Nahen und Mittleren Osten macht. Die Beiträge dieses Bandes geben Aufschlüsse über das Verhältnis von Identität und Alterität, von Selbst- und Fremdbildern im Verhältnis der deutschen Kultur und Gesellschaft zum «Orient».
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Axel Dunker: „Vor dem Fenster pfiff ein Vogel Bulbul“. Der Holocaust, Israel und der Orient bei Katharina Hacker

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Der Begriff ‚Orient‘ bezeichnet einen geographischen Raum mit stark schwankenden Ausmaßen. Im 18. und teilweise noch im 19. Jahrhundert umfasste die Bezeichnung ‚Orient‘ ein territorial sehr umfangreiches Gebiet ohne feste Konturen. Vom Balkan über den Nahen Osten, Persien und Indien reichte es bis China. Im 20. Jahrhundert hat sich das verändert und dabei stark eingeschränkt. Analog zum heutigen Sprachgebrauch beschränkte sich ‚Orient‘ zunehmend auf die islamisch geprägten Länder des Nahen Ostens, unter Einschluss des Magh­reb1. Inmitten dieses Territoriums befindet sich heute ein nicht-islamischer Staat, Israel. Immerhin knapp 20 % der Bevölkerung Israels sind allerdings Araber, größtenteils sunnitische Moslems. Der europäische, speziell der deutsche Blick auf Israel wird gleichwohl stark bestimmt durch die gemeinsame, im 20. Jahrhundert äußerst unheilvolle deutsch-jüdische Geschichte, zumal den Holocaust. Es stellt sich aber die Frage, inwiefern sich beim Blick auf Israel verschie­dene Diskurse, speziell der Holocaust-Diskurs und der Orient-Diskurs, miteinan­der vermischen.

Einen allerersten Blick auf diese Problemkonstellation möchte ich heute werfen am Beispiel einer Autorin, bei der die persönliche Anschauung der Gegenwart Israels mit der Auseinandersetzung mit dem Holocaust aufeinander treffen: Katharina Hacker. Die 2006 für ihren dritten Roman Die Habenichtse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autorin hat Philosophie, Geschichte und Judaistik in Freiburg studiert, 1990 wechselte sie an die Universität Jerusalem. Frucht ihres Lebens in Israel war 1997 ihre erste Buchveröffentlichung, die „Stadterzählung“ (so die Gattungsbezeichnung im Paratext) Tel Aviv. Am Ende des...

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